
Wasserqualität
Wie gut ist unser Leitungswasser
Ist Leitungswasser wirklich sicher zu trinken? Wir untersuchen die Wasserqualität in der Schweiz, potenzielle Verunreinigungen und ob sich ein Wasserfilter lohnt.

Wasserqualität
Ist Leitungswasser wirklich sicher zu trinken? Wir untersuchen die Wasserqualität in der Schweiz, potenzielle Verunreinigungen und ob sich ein Wasserfilter lohnt.
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Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, wo das frische Wasser herkommt, das aus dem Wasserhahn fliesst, wenn du ihn aufdrehst?
In einer Welt, in der wir täglich davon lesen, wie viel Müll in der Umwelt landet und die Industrie ihre Abwässer gerne einfach in den nächsten Fluss leitet, muss man sich fragen, ob wir uns damit einen Gefallen tun.
Denn je mehr unerwünschte Stoffe in Flüsse und auch ins Grundwasser gelangen, desto mehr müssen Wasserwerke wieder herausfiltern, um das Süsswasser für uns trinkbar zu machen. Finden wir's heraus ;-)
Was ist im Wasser drin?
Die in der Schweiz geltende Trinkwasserschutzverordnung umfasst bereits eine lange Liste an Verunreinigungen wie Schwermetallen oder Nitrat, die schweizweit in Trinkwasser ab einem definierten Grenzwert verboten sind. Eine genaue Liste, welche Stoffe in den Kläranlagen herausgefiltert werden, findest du in der Schweizer Gesetzgebung zum Trinkwasser.
Es tauchen aber immer wieder neue Stoffe im Trinkwasser und in Gewässern auf, die potenziell gesundheitsschädlich sein können. Aktuell sind es vor allem Mikroplastik, Arzneimittel und weitere hormonaktive Substanzen, die diskutiert werden. Diese Stoffe wurden bisher noch nicht oder nur teilweise in die Trinkwasserschutzverordnung aufgenommen, allerdings stehen sie mittlerweile auf einer Beobachtungsliste, laut der EU-Trinkwasserrichtlinie.
Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) schreibt zu Arzneimitteln: «Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung kann in geringen Konzentrationen unter anderem auch mit Wirkstoffen aus Arzneimitteln belastet sein.»
Daher gibt es auf schweizischer und europäischer Ebene bereits Untersuchungen, durch welche Massnahmen diese Konzentrationen nicht weiter ansteigen oder sogar minimiert werden könnten.
Zu Thema Hormone in Gewässern schreibt das BAFU: «In aktuellen Untersuchungen wurde eine Vielzahl von Steroidhormonen aus Medikamenten in Kläranlagenabläufen und Gewässern nachgewiesen.»
Die Einführung von regelmässigen Messungen dieser kritischen Stoffe funktioniert leider auch nicht von heute auf morgen. Die Umstellung benötigt neue, zusätzliche Filtersysteme in Kläranlagen und vor allem muss geklärt werden, wer diese finanziert.
Für Pestizide wurde bereits ein Grenzwert definiert. Das heisst, Pestizide dürfen nur bis zu diesem Grenzwert im Trinkwasser enthalten sein.
Einschub: Aber wo kommen diese Grenzwerte eigentlich her?
Sie werden in der EU-Trinkwasser-Richtlinie formuliert und vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in die Schweizer Trinkwasserschutzverordnung übernommen. Regelmässiges Überarbeiten und Kontrollen sollen optimalen Schutz für Verbraucher bieten.
Überschreitungen dieser Grenzwerte sollten aber keine sofortige Gefahr darstellen, da sie so gewählt sind, dass der Konsum erst über einen längeren Zeitraum problematisch ist.
Halten wir abschliessend erst mal die gute Nachricht fest: Die Trinkwasserqualität des gereinigten Wassers in der Schweiz ist sehr hoch und unterliegt strengen Kontrollen. Das gereinigte Wasser erfüllt strenge Güteanforderungen.
Ein kleiner Trinkwasser-Basiskurs
Jetzt kommt das Aber: Trinkwasser wird von den Wasserwerken nur bis zum Hausanschluss kontrolliert – Verunreinigungen von Hausanschluss bis Wasserhahn liegen also in der eigenen Verantwortung.
Was es zu beachten gilt:
→ Leitungswasser ist nicht steril.
Es enthält also immer geringe Mengen an Bakterien. Um das Wachstum von vor allem Legionellen in den Leitungen nicht zu fördern, sollte folgendes beachtet werden: Das Wasser sollte entweder richtig kalt oder richtig warm sein. Denn: Am meisten vermehren sich Legionellen in gesundheitsgefährdenden Konzentrationen in einem Bereich zwischen 25 °C und 55 °C.
Stagnationswasser, das länger als vier Stunden in den Leitungen gestanden hat, sollte nicht zum Trinken oder zur Speisenzubereitung verwendet werden – dies gilt, wie immer, vor allem für vulnerable Personengruppen wie Schwangere, Babys, ältere oder kranke Menschen.
→ Das Blei- und Metall-Thema
Die Verwendung von Bleirohren ist seit 2023 verboten und bis 2026 müssen die Rohre in allen Gebäuden ausgetauscht oder stillgelegt werden, da Blei gerade bei Babys neurotoxisch wirken kann, aber auch ganz allgemein eine giftige Wirkung hat.
Häufig werden in Gebäuden auch Kupferrohre genutzt. In der Theorie können sie Kupferionen ans Wasser abgeben. In der Praxis bildet sich in der Regel aber eine schützende Patina auf der Oberfläche, sodass Kupferionen selten hochkonzentriert ins Leitungswasser gelangen.
Ein Tipp: Du kannst heute ganz einfach Trinkwasserproben-Kits bestellen (z. B. via Amazon), die an Labore geschickt werden. Hier wird eine Vielzahl an Metallen gemessen. So kannst du auch selbst auf Nummer sicher gehen, wenn dich das Thema belastet.
Sollten sich bei der Messung doch mal Erhöhungen zeigen, liegt es aller Wahrscheinlichkeit nach also an den hauseigenen Leitungen, die entweder sehr alt sind, aus korrodierendem Material bestehen oder Trinkwasser leiten, das z. B. zu lange in den Rohren steht.
Lohnt sich also ein Wasserfilter?
An dieser Stelle stellt sich die Frage nach dem Wasserfilter. Hier muss natürlich der Kontext beachtet werden. Reinstes Bergwasser, das wir direkt an der Quelle abzapfen, nutzen wir in der Regel nicht.
Als Alternative zum Leitungswasser führt man demnach in der Regel Mineralwasser zu.
Mineralwasser in Flaschen hat allerdings zwei grosse Nachteile: Es ist um einiges teurer als Trinkwasser aus der Leitung. Ausserdem ist die Verunreinigung mit Mikroplastik, gerade bei Plastikflaschen, ein grosses Thema, aber Glasflaschen schneiden auch nicht besser ab.
Daher könnte man das Wasser zu Hause – um auf Nummer sicher zu gehen – noch einmal filtern. Es gibt verschiedene Filtersysteme:
Die Aktivkohle ist in der Lage, Verunreinigungen im Wasser zu binden. Bei der Umkehrosmose werden Verunreinigungen durch Druck aus einem System mit Filtern und Membranen herausgefiltert.
In zwei Studien zeigte sich:
«Den Ergebnissen zufolge waren Aktivkohle und Umkehrosmose zu 100 % effizient bei der Entfernung von Pestiziden» und «Granulierte Aktivkohle war hocheffizient bei der Entfernung aller Zielchemikalien.»
Das heisst: Aktivkohle- und Umkehrosmose-Filtersysteme konnten unerwünschte Stoffe wie Pestizide, hormonaktive Substanzen und Arzneimittel am effektivsten entfernen. Ionenaustauschverfahren filterten hingegen weniger Stoffe aus dem Wasser.
Wenn du ausserdem in deiner Region oder Stadt sehr hartes Wasser hast, also Wasser mit einem sehr hohen Gehalt an Magnesium und Calcium, kann sich ein Wasserfilter auch lohnen. Denn auch wenn der hohe Mineralgehalt nicht gesundheitsschädlich ist – im Gegenteil, Calcium und Magnesium wirken gesundheitsschützend! –, ist es gerade bei Tee- und Kaffee-Liebhabern sehr unbeliebt.
Wichtig bei allen Filtern zu beachten: Alle Filter oder Geräte müssen regelmässig gewechselt oder gereinigt werden, je nach Gebrauchsanweisung. Sonst können sie eine Quelle für weitere Verunreinigungen sein!
Halten wir fest
Wer sich für das Leitungswasser entscheidet, hat nicht nur einen grossen preislichen Vorteil, sondern verzichtet auch auf das lästige Schleppen von Wasserkästen.
Wasser aus der Leitung ist und bleibt ein sehr streng kontrolliertes Lebensmittel, aber wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich zu Hause einen Wasserfilter installieren. Am besten geeignet sind dabei nach aktueller Datenlage Filter mit Aktivkohle und Umkehrosmose.
Offen bleibt, wie die Kläranlagen mit der Zunahme an Umweltgiften in Gewässern und Grundwasser in Zukunft umgehen können und ob die momentanen Grenzwerte für unsere Gesundheit auch langfristig einen ausreichenden Schutz darstellen.
De facto haben die meisten Menschen heutzutage keine andere Wahl: Wir kommen über Trinkwasser zwangsläufig in Kontakt mit unerwünschten Stoffen. Die Frage ist nur, in welcher Menge und mit welcher gesundheitlichen Relevanz. Ernüchternd!
Quellen
Danopoulos, E., Twiddy, M., & Rotchell, J. M. (2020). Microplastic contamination of drinking water: A systematic review. PloS one, 15(7), e0236838. doi.org/10.1371/journal.pone.0236838
Schreiber, F., Donato, F. F., Kemmerich, M., Zanella, R., Camargo, E. R., & de Avila, L. A. (2024). Efficiency of home water filters on pesticide removal from drinking water. Environmental Pollution, 341, 122936. doi.org/10.1016/j.envpol.2023.122936
Snyder, S. A., Adham, S., Redding, A. M., Cannon, F. S., DeCarolis, J., Oppenheimer, J., ... & Yoon, Y. (2007). Role of membranes and activated carbon in the removal of endocrine disruptors and pharmaceuticals. Desalination, 202(1–3), 156–181. doi.org/10.1016/j.desal.2005.12.052