
Longevity
Diabetes Typ 2 – völlig überflüssig
Typ-2-Diabetes ist nicht unvermeidlich – es ist ein Mismatch zwischen deiner genetischen Ausstattung und der modernen Umwelt. Die gute Nachricht: Es ist vollständig reversibel.

Longevity
Typ-2-Diabetes ist nicht unvermeidlich – es ist ein Mismatch zwischen deiner genetischen Ausstattung und der modernen Umwelt. Die gute Nachricht: Es ist vollständig reversibel.
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Wir Modernen leben so vor uns hin und begreifen gar nicht, wie uns geschieht – aber vor allem, warum.
Mal ganz abstrakt formuliert: Die meisten Menschen fragen sich über ihre ganze Lebensspanne meistens nicht wirklich, wer da überhaupt durch die Augen in die Welt blickt. Wer oder was genau ist denn «Ich»?
Moderne Erkrankungen «gehören halt dazu»
So oder so ähnlich ist es auch mit unseren modernen Wehwehchen. Karies – kriegt man halt, gibt ja Zahnersatz. Autoimmunerkrankungen? Früher selten, heute gehören sie zum guten Ton. Typ-2-Diabetes, faulender Fuss? Der Wendler ruft aus dem Off: «Egal!»
Genau so leben wir. Psychologen – völlig überfordert. Stoffwechselambulanzen – Termine ab 2026. Und bei Halsschmerzen könnte man ja mal zur Notfallstation fahren!
Irgendwie sind wir ver–rückt, im wörtlichen Sinne. Man könnte sich ja einfach mal die Frage stellen, was z. B. Typ-2-Diabetes genau ist. Woher kommt das denn? Will der liebe Gott uns alle stoffwechselkrank haben?
Apropos Gott und Religion: Freilich versteht man Typ-2-Diabetes – wie viele andere moderne Erkrankungen – nur, wenn man etwas über die menschliche Evolution weiss, die ja nun seit etwa 2 Millionen Jahren anhält.
Typ-2-Diabetes entsteht, weil die Zelle und die Mitochondrien, also der Ort, wo Energie verbrannt wird, sich mit Fettsäuren vollsaugen. Es ist also eine Fettsäurendominanz (Q).
Wenn das überhandnimmt, verbrennen wir kaum noch Kohlenhydrate, die sich folglich stauen. Das hat ein Wissenschaftler namens Sir Philip Randle herausgefunden, deshalb nennt man das zugrundeliegende Prinzip Randle-Zyklus. Zu viel Fettoxidation = wenig Kohlenhydratoxidation.
Diesen Mechanismus gibt es deshalb – und das ist die entscheidende Info –, weil unsere Vorfahren – Stichwort 2 Millionen Jahre – ständig mit Kohlenhydrat- und Kalorienknappheit zu kämpfen hatten. Bei denen gab es ja keine Teigwaren, kein Brötchen und keine Glace.
Wenn du also zu der Sorte Mensch gehörst, die halt noch ein paar archaische Gene in sich trägt, dann kriegst du Diabetes, weil deine Zellen in der Steinzeit leben, aber von dir mit Brötchen gemästet werden. Ganz, ganz einfacher Zusammenhang.
Das klassische Proof-of-Concept kennt man in der Forschung – wir kriegen nur, wie so oft, kaum was davon mit. Aborigines, das heisst, Menschen mit indigener Abstammung, werden viel schneller zu Diabetikern – im Vergleich zur nicht-indigenen Bevölkerung Australiens etwa um den Faktor 3 häufiger.
Aborigines, die in der Stadt leben und bereits krank sind, werden wieder stoffwechselgesund, wenn sie zurück in das indigene Umfeld gehen oder zumindest diesen Lebensstil oder die Ernährung emulieren (Q). Über diese «Bush Tucker»-Ernährung wurde sogar in der Zeitung berichtet (Q).
All das hat eine renommierte Wissenschaftlerin in Pionierarbeit erforscht – die Frau heisst Kerin O'Dea von der University of South Australia. Sie hält noch immer Vorträge, um vor allem Menschen mit indigener Abstammung dahingehend aufzuklären.
Aufzuklären, dass Typ-2-Diabetes eben kein Schicksal ist, sondern ein Mismatch zwischen genetischer Ausstattung und der Umwelt. Und, dass Typ-2-Diabetes umkehrbar ist, wie es ja längst in Studien bewiesen wurde (Q).
Was wir nur nicht begreifen: Auch wir sind Indigene. Nur halt nicht mehr ganz so schlimm dran – ein bisschen besser sind wir an die Sünden der Neuzeit schon angepasst. Allerdings hatten auch wir bis vor kurzem verschiedene «Sicherheitspuffer», etwa die ständigen Nahrungsmittelknappheiten bis Anfang des 20. Jahrhunderts.
Damals schleppte man zudem die Kohle und das Sofa in den sechsten Stock des Hauses (Bewegung!), der Körper musste, weil viel schlechter geheizt wurde, viel stärker selbst heizen (Energieverbrauch!), Zucker gab es keinen und es gab auch keinen Kühlschrank.
Wenn wir nicht bald begreifen, dass unser moderner Lebensstil eine krankmachende Einbahnstrasse ist, werden die Zivilisationserkrankungen weiterhin drastisch zunehmen. Wir haben jetzt und jederzeit die Chance, daran etwas zu ändern.
Guter Rat: Nimm die Ausfahrt lieber rechtzeitig! Wie das geht, ist ständiges Thema bei uns – einfach dran bleiben!