
Nährstoffe
Kollagen 2024: Ein Update
Kollagen galt lange Zeit als Schlachtabfall, ist aber heute eine geschätzte Nährstoffquelle. Das liegt am hohen Glycingehalt und seiner zentralen Rolle für Hautgesundheit, Gelenke und Kollagenaufbau.

Nährstoffe
Kollagen galt lange Zeit als Schlachtabfall, ist aber heute eine geschätzte Nährstoffquelle. Das liegt am hohen Glycingehalt und seiner zentralen Rolle für Hautgesundheit, Gelenke und Kollagenaufbau.
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Wir schreiben das Jahr 2010. Damals versuchten wir als sport- und gesundheitsbegeisterte Jungspunde verzweifelt, an hochwertiges Kollagen zu kommen. Die einzige echte Quelle war damals, im qualitativen Sinne, billigste Gelatine in grösseren Plastikkanistern. Spöttisch genannt: Schlachtabfälle.
Kollagen wollte damals keiner haben
In jedem Fitness- und Sportforum galt Gelatine damals als minderwertige Eiweissquelle. Wollte keiner haben. Doch schon damals sprachen Überlegungen und vereinzelte Studien eine andere Sprache. Denn warum sollte man als Mensch hauptsächlich das Muskelfleisch eines Tieres essen?
Tatsächlich zeigt sich, dass wir Modernen nur noch die «Sahnestücke» der Tiere essen, also z. B. mageres Brust- oder Hüftfleisch. Kollagenreiche «Nebenerzeugnisse» werden allerhöchstens z. B. noch als Aspikwurst verkauft. Eine tragische Entwicklung.
Kenner hatten, wie dargelegt, schon um 2010 gewusst, dass Kollagen vielleicht mehr als Abfall ist. Was kollagene Proteine nämlich so speziell, so anders macht: Sie sind zwar arm an «essenziellen Aminosäuren», aber extrem reich an Glycin und Prolin.
Überzeugende Wissenschaft
Das Jahr 2009 war in dieser Hinsicht ein Wendepunkt. Spanische Biochemiker hatten eindrucksvoll kalkuliert und dargelegt, dass die körpereigene Glycinsynthese plus die typische Glycinzufuhr über die Nahrung bei weitem nicht ausreichen, um den realen Glycinbedarf des Körpers zu decken.
«Eine detaillierte Bewertung aller Glycinquellen zeigt, dass die aus der körpereigenen Synthese verfügbare Glycinmenge zusammen mit der aus der Nahrung verfügbaren Menge um bis zu 10 g unter der Menge liegen kann, die für alle metabolischen Verwendungen benötigt wird.»
Uns fehlen also bis zu 10 g Glycin täglich. Das sind zwei Teelöffel von unserem reinen Glycinpulver oder 50 g unseres Kollagenhydrolysat-Pulvers.
Doch wofür braucht es Glycin überhaupt? Auch das rechneten uns die Autoren damals vor: Der Körper baut am Tag 100 g (!) Kollagen auf – dafür braucht's allein 12 g Glycin. Hinzu kommen ein paar Gramm Glycin für die Synthese von Häm (z. B. Hämoglobin!), Kreatin (Muskelperformance!), Glutathion (Masterantioxidans!) und Gallensalze.
Rein physiologisch hat Glycin ausserdem noch so weitreichende gesundheitliche Effekte, dass wir schon 2015 in einem Blogbeitrag attestierten, dass «Glycin die Aminosäure der Zukunft» ist ([Quelle nicht mehr verfügbar]). Ganz aktuell liest man in grossen Meta-Analysen zu Kollagenhydrolysat beispielsweise:
«Diese überzeugenden Ergebnisse unterstreichen die Wirksamkeit einer 12-wöchigen Kur mit hydrolysiertem Kollagen zur Revitalisierung der Haut durch Erhöhung ihrer Hydratation und Elastizität.»
Kollagen plötzlich «elite» geworden
Dass all diese Informationen früher oder später in den Mainstream überlaufen, war anzunehmen. Dass die Welle aber so gigantisch wird, konnte man nicht vorhersehen. Sowohl an Google Trends (Suchbegriff: «Kollagen») als auch an der Zahl der veröffentlichten Publikationen lässt sich das enorme Interesse sehr gut erkennen.
Heute hat gefühlt jede, aber vor allem jede ;-) ein Kollagenpulver zuhause stehen. Doch diese enorme Aufmerksamkeit hat auch ihre Schattenseiten. Leider geben sich die Marketingabteilungen der Kollagenproduzenten sehr viel Mühe, dem Kunden zu suggerieren, dass es für jedes Wehwehchen einen anderen «Kollagentyp» braucht.
Man flutet den interessierten Konsumenten also mit Auswahlmöglichkeiten und erhöht so die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kunde überhaupt zu einem Kollagenprodukt greift.
Hierzu noch ein wichtiges Wort: Der «Kollagentyp» ist völlig egal – die Bausteine eines Kollagenprodukts, die der Körper zum Kollagenaufbau nutzt, sind immer die gleichen! Ein Kollagenprodukt hilft also potenziell den Gelenken, den Knochen, der Haut und anderen glycinabhängigen Prozessen im Körper.
Kollagen: Der Ausblick
Halten wir zwei Dinge fest:
Ein kleines PS noch: Kollagenhydrolysat bezeichnet das enzymatische Spaltprodukt von grossen kollagenen Eiweissen. Letztere nennen wir in der Regel Gelatine.
Kollagenhydrolysat ist also vorverdaut in kurze Eiweisskettten – häufig synonym mit «Kollagen». Während man mit Gelatine ausgezeichnet Wackelpudding machen kann, eignet sich das Kollagenhydrolysat eher als einwandfrei lösliches Getränkepulver ;-)