
Evidence-Based Medizin
Individuelle Medizin
Warum echte evidenzbasierte Medizin mehr ist als randomisierte Studien: Sie kombiniert wissenschaftliche Belege mit persönlicher Expertise und individueller Erfahrung.

Evidence-Based Medizin
Warum echte evidenzbasierte Medizin mehr ist als randomisierte Studien: Sie kombiniert wissenschaftliche Belege mit persönlicher Expertise und individueller Erfahrung.
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Im Zuge der Pandemie wurden wir von einer beispiellosen Wissenschaftshörigkeit terrorisiert. Wissenschaft wirkte eher wie eine Art Religion. «Du hast an diese wissenschaftliche Erkenntnis zu glauben, ansonsten bist du ein Leugner!»
Schwierig. Wissenschaft schafft Erkenntnisse. Und natürlich sollten diese im Alltag Berücksichtigung finden. Viele missverstehen aber, was Wissenschaft kann – und was nicht. Denn im Gegensatz zur Religion, gibt es vor allem bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen einfach kein allgemeingültiges Credo, keine allumfassende Weisheit.
Diesen natürlichen Unsicherheitsfaktor gibt es – er schafft Raum fürs Individuum. Dazu gleich mehr. Genau diese inhärente Eigenschaft ist auch eine Schwäche von Wissenschaft. Echte Leugner behaupten dann nämlich einfach das, was sie wollen.
Apropos Individuum. Für dich und deine ganz eigene Erfahrungswelt gelten völlig eigene Regeln. Auch das wird heutzutage leider völlig missverstanden – gerade von jenen, die besonders wissenschaftshörig sind und sich gar «Evidence-based» oder «Science-based» auf die Fahnen schreiben.
Hier zählen häufig nur sogenannte Goldstandardstudien. Also beispielsweise randomisierte kontrollierte Studien («RCTs») oder Meta-Analysen, sprich grosse Auswertungen von eben solchen Studien.
Akzeptiert werden nur Ergebnisse und Erkenntnisse, die aus solchen Studien gewonnen worden. Genau genommen ist das aber alles andere als wissenschaftlich oder gar «Evidence-based». Der Begründer der Evidence-based Medicine (EBM), David Sackett, erkannte schon 1996 diese Tendenzen und formulierte in seinem Aufsatz, was man unter Evidence-based Medicine versteht:
«Die evidenzbasierte Medizin beschränkt sich nicht auf randomisierte Studien und Meta-Analysen. Es geht darum, die besten externen Belege zu finden, mit denen wir unsere klinischen Fragen beantworten können.»
Für denjenigen, der behandelt – das kann ein Arzt sein oder gar du selbst! –, gilt nämlich gerade auch, dass Wissenschaft das «individuelle klinische Fachwissen informieren, aber niemals ersetzen, und es ist dieses Fachwissen, das darüber entscheidet, ob die externe Evidenz für den einzelnen Patienten überhaupt relevant ist und, wenn ja, wie sie in eine klinische Entscheidung integriert werden sollte.»
Es gibt also nicht die Wissenschaft, die Erkenntnisse. Du selbst, aber vor allem derjenige, der dich behandelt, der quasi an dir Wissenschaft ausüben soll, muss anhand seiner persönlichen Expertise, seiner persönlichen Erfahrung, verbunden mit jeglicher Form von wissenschaftlichen Erkenntnissen, versuchen, dir eine passende Lösung für dein Problem zu präsentieren.
Sackett schreibt:
«Manchmal kommt die benötigte Evidenz aus den Grundlagenwissenschaften wie Genetik oder Immunologie»
Je individueller es wird, umso abstrakter wird es. Denn über der Ebene des Individuums, das man praktisch nur über persönliche Erfahrung oder z. B. Genom-Analysen genauer beschreiben könnte, kommt schon die Ebene der Gruppe.
Sämtliche Erkenntnisse, die uns Wissenschaft präsentiert, sind bestenfalls Ergebnisse an bestimmten Personengruppen, die allerdings schon nach Vorbedingungen selektiert wurden.
Wenn es z. B. um die Frage der Regeneration nach einer Sporteinheit gehen würde, könnte man mit einer bestimmten Sicherheit höchstens sagen, dass ... erfahrene Athleten, die mindestens 2–3 Jahre trainieren (Bedingung 1) und unter 30 Jahre alt sind (Bedingung 2) und sich omnivor ernähren (Bedingung 3) 24–72 Stunden regenerieren sollten.
Das kann eine randomisierte kontrollierte Studie in einem bestimmten Versuchszeitraum, unter weiteren Bedingungen, herausgefunden haben. Das ist sicher gut zu wissen. Aber was kannst du davon für dich ableiten?
Unter deinen persönlichen Bedingungen könntest du ggf. schon nach 16 oder erst nach 80 Stunden regeneriert sein. Die Spanne ist enorm. Und genau das ist die Schwäche von Wissenschaft, wenn es um's Individuum geht. Und genau deshalb zählt gerade auch die Erfahrung von demjenigen, der dich einschätzen und behandeln soll. An dieser Stelle trennt sich die Spreu vom Weizen bei guten Ärzten, Heilpraktikern, Bloggern etc.
Und genau das ist das Ziel von edubily. Dir nicht nur diesen Spannungsbogen aufzuzeigen, sondern dir von jeder Ebene der Wissenschaft Lösungsmöglichkeiten an die Hand zu geben, damit du für dich die besten Entscheidungen treffen kannst. Evidence-based halt.