
Ernährungsforschung
Experte: «Iss wie ein Schwein!»
Ein amerikanischer Schweineforscher zeigt, warum Schweine ihre Ernährung besser verstehen als Menschen – und was das für unser Verständnis von gesundem Essen bedeutet.

Ernährungsforschung
Ein amerikanischer Schweineforscher zeigt, warum Schweine ihre Ernährung besser verstehen als Menschen – und was das für unser Verständnis von gesundem Essen bedeutet.
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Oft sehen wir vor lauter Bäumen den Wald nicht. Geht z. B. Ernährungswissenschaftlern und Leuten, die mit ihren Erkenntnissen im täglichen Leben arbeiten wollen, also dir und uns, häufig so.
Da verrennt man sich schnell. Um das zu verstehen, reicht ein Gang in die hiesige Buchhandlung, Abteilung Ernährung/Gesundheit. Fünf Bücher, fünf verschiedene Vorstellungen.
Das ist der Witz unserer Zeit: Wir wissen alles und nix gleichzeitig. Doch ist das wirklich so?
Abgesehen davon, dass wir einfach unterschiedlich sind und es für jeden Menschen offenbar einen eigenen Weg zu geben scheint, gilt die Frage: Gibt es nicht irgendeine Bottom-line, also ein Destillat, das selbst die widersprüchlichsten Werke in ihrer Aussage eint?
An der Stelle kommt ein amerikanischer Schweinewissenschaftler ins Spiel. Der hat zusammen mit einem Kollegen soeben eine Arbeit veröffentlicht, die titelt, «Essen wie ein Schwein, um Übergewicht zu bekämpfen». Finden wir amüsant.
An der Stelle wird's spannend, deshalb, weil der auf die Thematik aus einem völlig anderen Blickwinkel schaut. Der hat in der Alltagsforschung nämlich nicht mit Menschen, sondern mit Schweinen zu tun. Die müssen mit Blick auf ihren Körper gefälligst gut «eingestellt» sein.
Schweine sind nicht nur gute Forschungsobjekte, sondern ähneln in ihrer Physiologie uns Menschen deshalb sehr, weil sie – wie wir – Allesfresser, also Omnivoren sind. Der feine Unterschied: Die machen keine Faxen. Die laufen 24/7 im «Forschungslabor» Stall rum.
Und so erzählt der Schweineforscher in dieser Arbeit beispielsweise über den Apfel. Das klingt bei diesem «Ernährungswissenschaftler für Schweine» mit leicht sarkastischem Unterton so:
«Äpfel erweisen sich als vernünftige Vitamin-C-Quelle: Man müsste 1375 g Äpfel pro Tag essen, um den Vitamin-C-Bedarf zu decken.»
Der hat halt einfach mal nachgedacht und kalkuliert, ob ein Apfel einen wertvollen Beitrag zur Mikronährstoffversorgung leisten kann. Und schiebt prompt nach: Nur dann, wenn man zeitgleich 144 g Zucker (aus dem Apfel) in Kauf nimmt, was dann vielleicht doch nicht mehr ganz so gesund ist.
Recht hat der Mann: Noch immer liest man überall, Obst sei ein guter Vitamin- und Mineralstofflieferant. Mitnichten! Man muss den Apfel nur mal mit 80 oder 100 g Leber vergleichen, um das zu verstehen [Quelle nicht mehr verfügbar]. Das macht den Apfel zwar «nicht nicht gesund», aber man bleibt bei der Wahrheit.
Nach einem langen Aufsatz über die glykämische Last, über (Epi-)Genetik, Fruktose, noch mehr Themen bis hin zum «gesunden Apfel», kommt der Mann zu einem Fazit, zu dem Destillat, was uns am Ende des Tages sicher sehr interessiert:
«Schweine scheinen ihre eigenen physiologischen Grenzen viel besser zu verstehen als Menschen.»
Denn obwohl ein Schwein noch nie irgendeinen Ernährungsratgeber gelesen oder gehört hat, noch nie ein Biochemiebuch gelesen hat und nix über Ernährungswissenschaften weiss, schafft es das Schwein, sich selbst so zu regulieren, dass es ziemlich selten ernährungsbedingt krank – z. B. übergewichtig – wird. Selbst bei ganz mieser Fütterung.
Er folgert: «Beim Menschen scheinen wir diese Fähigkeiten verloren zu haben.» Tja, wer braucht schon Körpergefühl und ein Gespür für sich selbst? Altmodisch.
Das, was uns fehlt, ist eben nicht das x-te Ernährungsbuch, sondern etwas anderes.