Das mit dem Essen ist so eine Sache. Besucht man den Zoo und läuft am Pinselohrschwein-Gehege vorbei, fällt einem vielleicht eine Tafel ins Auge, auf der das Tier, sein Verhalten und seine arttypische Ernährung beschrieben wird. Im Grunde ist es egal, um welche Tierart es genau geht. Fakt ist:
Tiere essen das, was es vor Ort gibt, und zwar weitestgehend so, wie es gefunden wird.
Für Pinselohrschweine sind das Wurzeln, Früchte, Nüsse, Samen, kleine (tote) Tiere und Insekten. Erstaunlich, nicht wahr? Das könnte ungefähr auch ein Speiseplan eines Menschen sein, der in der Wildbahn lebt. So, wie wir das in >99,5 % unserer Entwicklungszeit getan haben. Und man kann sich sicher sein, dass solche Menschen auch ohne Kaffee aus dem Bett kommen, leistungsfähig und gesund sind.
Stattdessen blicken wir auf eine wehleidge Gesellschaft. Wer kennt schon noch vollständige Gesundheit?
Wenn man sich Studienergebnisse anschaut, könnte man zum Schluss kommen: Essen, also Nahrung zuführen, macht krank. Denn: Ganz frisch aus der Presse kommt wieder einmal eine Studie, die aufzeigt, dass man den fortgeschrittenen Diabetes einfach umkehren, quasi heilen kann – durch starke Kalorienrestriktion, also weniger essen. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Und noch eine neue Studie zeigt, dass man mit einem Fastenprotokoll, also auch weniger essen, den kognitiven Verfall (Alzheimer und Co.) im Tiermodell ausbremsen kann.
Tatsächlich mehren sich die Erkenntnisse, dass ein autark funktionierender Körper ... ziemlich reibungslos funktioniert. Drum ist Fasten ein Heilmittel. Der Körper, in seinem ursprünglichen Zustand, funktioniert. Nur leider sieht das Leben vor, dass wir Energie und Nährstoffe irgendwann aus der Umwelt beziehen müssen. Nennt sich Essen.
Und für die meisten von uns gilt: Sobald wir den Mund aufmachen und Essen zuführen, wird der Körper krank.
Der Witz ist: Das ist ganz normal. Genau aus diesem Grund nämlich gibt es Evolution. Und die hat den Menschen über zwei, drei Millionen Jahre so geformt, dass bestimmte Lebensmittel für ihn eben nicht mehr giftig sind. Das nennt sich Adaptation. Genetisch richtiges essen. Und da ein Pinselohrschwein eben seit Hunderttausenden von Jahren das gleiche frisst, ist es halt fit und gesund.
Beim Menschen ist das anders. Der Mensch hat spätestens seit dem 20. Jahrhundert mit der Evolution gebrochen. Seitdem trinkt er isolierten Zucker und isst Kuchen mit raffiniertem Getreide. Die doppelte Sünde jetzt ist, dass ein Europäer Reis aus Asien, Schokolade aus Amerika und Mango aus Indien und Polynesien isst. Nichts gegen diese Lebensmittel, aber genau genommen kennt ein europäischer Organismus diese Lebensmittel nicht.
Aus diesem Grund gibt es immer so witzige Auswüchse, etwa die Mediterrane Ernährung. Soll besonders gesund sein. Ja, für Menschen im südlichen Europa sicherlich. Aber für Menschen in kälteren Regionen?!
Ganz neu ist die Southern European Atlantic Diet. Diese Ernährungsform, die ihre Ursprünge vorwiegend in Nordportugal und Galicien hat, basiert auf einer «hohen Aufnahme von Fisch, Meeresfrüchten, Getreide, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Obst, Milchprodukten und Gemüse. Fleisch, vorzugsweise mageres Fleisch, wird in Massen verzehrt, ebenso wie Eier und Wein». Die sei die ideale Ernährung für die Menschen dort – die Wissenschaft stürzt sich drauf und findet prompt, dass diese Ernährung vor Krankheit schützt. So, so!
Nochmal zurück zum Diabetes und zum geistigen Verfall. Natürlich hat ein Aborigine keinen Diabetes. Wohl aber ein drastisch erhöhtes Risiko, wenn er in eine moderne Stadt zieht. Das ist so dramatisch, dass es in Australien grosse Bemühungen gibt, Ureinwohner bzw. Menschen, die von Aborigines abstammen, diesbezüglich aufzuklären. Natürlich hat ein indigen lebender Mensch aus dem bolivianischen Urwald eine drastisch niedrigere Rate an kognitivem Verfall. «Die Prävalenz von Demenz in dieser Kohorte gehört zu den niedrigsten in der Welt.» – Alles bestens studiert.
Und natürlich sind die deshalb so gesund, weil die so leben, wie ein Mensch halt immer gelebt hat. Ohne Kaffee und Kuchen mittags um 15 Uhr. Ohne Chips, ohne Snickers. Ohne Nutellabrot. Für viele ist das offenbar besonders schwer zu verstehen. Drum gibt es von uns diese Woche folgende «Karikatur»: Warum das Pinselohrschwein gesund ist.