
Aminosäuren
Aminosäuren & Lebensgefühl
Wie Aminosäuren unser Lebensgefühl bestimmen: Cystein, Glycin, Taurin und Carnitin sind Schlüsselsubstanzen für Haut, Haare, Knochen, Immunsystem und mentale Gesundheit – vor allem aus tierischen Proteinen.

Aminosäuren
Wie Aminosäuren unser Lebensgefühl bestimmen: Cystein, Glycin, Taurin und Carnitin sind Schlüsselsubstanzen für Haut, Haare, Knochen, Immunsystem und mentale Gesundheit – vor allem aus tierischen Proteinen.
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Was ist die richtige Ernährungsform? Es gibt mittlerweile Ernährungsformen wie Sand am Meer. Das Schöne: Man kann sich nach Gusto bedienen. Man kann sich quasi selbst irgendwas ausdenken und dann die dazu passende Ernährungsform aussuchen.
Das ist die nette Eigenheit der Ernährungswissenschaft (oft eher: Folklore): Vieles ist ein nettes Narrativ. Da wird also nicht die Biochemie des Menschen angeguckt und gefragt, was so ein Organismus braucht, wie er am besten funktioniert, wie man ihn optimiert. Nein, bei Ernährung werden immer Geschichten erzählt. Die einen erzählen Geschichten vom Steinzeitmenschen, die anderen von der «Mittelmeerdiät», wieder andere glauben, sie könnten essen wie eine Kuh ... oder ein Gorilla. Natürlich schwingen auch hier wieder entsprechende Assoziationen mit.
Was wirklich kaum jemand auf dem Schirm hat, ist die schlichte, aber unglaubliche Bedeutung von Aminosäuren im Körper. Vielleicht aus Unwissenheit. Vielleicht auch, weil man das Märchen von «Eiweiss schadet» oder «Aminosäurenmangel gibt es nicht» oder so geglaubt hat. Und hier knüpft der wahre Grund an, warum wir immer ein Paleo-Template für die eigene Ernährung empfehlen. Es ist dabei egal, ob man an den jagenden Steinzeitmenschen glaubt oder an sonst wen. Fakt ist: 99,5 % unserer Entwicklungszeit haben wir bestimmte Dinge eher und andere eher nicht gegessen.
Die folgende Auswahl an Aminosäuren und -abkömmlingen zeigt zum einen die unglaubliche Bedeutung dieser Verbindungen für unser Wohl- und Lebensgefühl – zum anderen zeigen sie indirekt auf, welche Ernährungsform möglicherweise ein überragendes Lebensgefühl «macht»:
Cystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure. Das Besondere an dieser Wunderaminosäure ist, dass es eine so genannte endständige Thiol-Gruppe aufweist. Hier liegt diese Schwefelgruppe frei vor und kann beispielsweise mit anderen Thiol-Gruppen (aus anderen Cysteinen) reagieren, es entstehen stabile Verbindungen.
Im Körper nutzen sehr viele Proteine solche Cystein-Cystein-Verbindungen, um beispielsweise Stabilität zu erzeugen. Cystein kommt u. a. sehr reich in Keratinen vor. Das sind Proteine, die den Hauptbestandteil unserer Fingernägel ausmachen. Die Cystein-Cystein-Verbindungen machen dort den Fingernagel hart. Auch unser Haar besteht zu einem grossen Teil aus Keratin und somit aus Cystein!
Doch auch im Immunsystem spielt Cystein eine herausragende Rolle. Durch die reaktive Thiolgruppe können Schadstoffe gebunden und ausgeschieden werden. So funktioniert auch das allseits bekannte Glutathion, das vielleicht wichtigste Antioxidans im Körper. Es entgiftet ... mit Cystein. Denn Glutathion besteht auch «nur» aus drei Aminosäuren, nämlich Glutaminsäure, Cystein und Glycin, zu der wir jetzt gleich kommen.
⇨ Tierische Proteine, besonders aber das Ei und das Molkeprotein sind sehr, sehr reich an Cystein.
Glycin nannten wir vor einigen Jahren mal [Quelle nicht mehr verfügbar]. Damals schon waren wir Fan von der Wirkung dieser Aminosäure und dem Protein, indem es hauptsächlich und natürlicherweise vorkommt: Kollagen. Auch unser Körperkollagen ist sehr reich an Glycin. Als kleinste Aminosäure aller Aminosäuren sorgt sie für die besondere Struktur und Windung der langen Kollagenketten. An jeder dritten Position findet sich dort diese kleine Aminosäure. Kollagen ist dabei das häufigste Protein im Körper, verleiht diesem Belastbarkeit, Struktur und Elastizität. Bänder, Sehnen, Knorpel, Knochen, Haut – all das besteht aus Kollagen.
Glycin selbst hat wunderbare Wirkungen im Körper. So fungiert Glycin im Gehirn bzw. im Nervensystem beispielsweise als natürliches «Beruhigungsmittel». Ein hoher Glycin-Wert im Körper installiert den Schalldämpfer im Gehirn. Das ist essentielles Wissen. Und: Essentielles Wissen ist auch, dass Kollagen ein krasses Comeback feiert. Früher als Schlachtabfall verschrien, heute weiss man: [Quelle nicht mehr verfügbar]. Hinzu kommt, dass immer klarer wird, dass zugeführte Kollagenpeptide körpereigenes Kollagen aufbauen.
⇨ Glycin kommt in grösseren Mengen quasi ausschliesslich in kollagenen Proteinen von Tieren vor – Kollagen-Hydrolysat oder Knochenbrühe enthalten prinzipiell grosse Mengen dieser Aminosäure.
Aminosäuren bekommen leider wieder einen schlechten Ruf. Nachdem in Gesundheitskreisen viel dafür getan wurde, dass Menschen die Bedeutung von Aminosäuren und insbesondere Eiweiss klar wird – dass Eiweiss eben nicht der Niere schadet und so weiter –, liest man in letzter Zeit wieder vermehrt Schlagzeilen darüber, dass Eiweiss in höheren Mengen «ungesund» sei.
Totaler Quatsch, denn: Der Körper kann unglaubliche Mengen Protein verarbeiten. Keiner von uns erreicht diese natürliche Grenze. Dagegen ist die Toxizitätsschwelle unter Ureinwohnern sehr wohl bekannt. Viele Jäger-und-Sammler-Kulturen leben in manchen Zeiten im Jahr quasi ausschliesslich von Fleisch und Fisch. Die wussten: Wir können ihren ganzen Energiebedarf nicht aus Protein decken, sonst wird's giftig. Dafür hat jede Kultur so ihren Begriff, bei den Eskimos heisst es Hasenhunger (engl. rabbit starvation).
Aber: Mehr Protein in der Nahrung ist für die meisten von uns Gold wert. Das Immunsystem besteht aus Eiweiss (Antikörper), der Muskel braucht Aminosäuren, ja sogar Enzyme und Proteine, die den Chemiebaukasten Mensch am Laufen halten, bestehen aus Aminosäuren. Das Wichtigste aber ist, dass die Neurotransmitter im Gehirn aus Aminosäuren gemacht werden. Antrieb, Lust, Laune, Power: Alles das sind Gefühle, die aus Aminosäuren gemacht werden und Forscher wissen seit Jahrzehnten (!), dass die Eiweissverfügbarkeit im Körper direkten Einfluss auf die Bildung dieser Stoffe hat.
⇨ Das hochwertigste Protein liefern Fleisch, Fisch, Eier, Milch. Diese Eiweissquellen weisen eine perfekte Verdaubarkeit und den höchsten Gehalt an essentiellen Aminosäuren auf.
Taurin findet sich hauptsächlich in Meeresfrüchten. Es ist eigentlich keine echte Aminosäure, sondern eine Aminosulfonsäure. Taurin kennen die meisten von uns aus Energydrinks. Dort setzt man es bei, weil es beruhigend wirkt. Es dämpft damit die aufputschende Wirkung von Koffein. Und tatsächlich: Taurin wirkt, ähnlich wie Glycin, bremsend im Gehirn.
Im [Quelle nicht mehr verfügbar] liest man Unglaubliches zu Taurin: «Taurin passiert die Blut-Hirn-Schranke und wurde mit einer Vielzahl von physiologischen Phänomenen in Verbindung gebracht, einschliesslich inhibitorischer Neurotransmission, Langzeitpotenzierung im Striatum/Hippocampus, Membranstabilisierung, Rückkopplungshemmung des neutrophilen/makrophagen Bursts, Regulation des Fettgewebes und mögliche Vorbeugung von Fettleibigkeit, Kalzium-Homöostase, Erholung von osmotischem Schock, Schutz vor Glutamat-Exzitotoxizität und Vorbeugung von epileptischen Anfällen.»
Heisst übersetzt: Taurin schützt. Es wirkt als Antioxidans, hat positiven Einfluss aufs Immunsystem, aufs Gehirn (Lernen!), reguliert die Fettmasse, schützt Zellen (Calciumeinstrom; Osmoregulation), schützt das Gehirn (vor den Effekten vom Neurotransmitter Glutamat) und vieles mehr. Von Taurin wurde zudem gezeigt, dass essentiell ist, damit die Kraftwerke unserer Zellen, die Mitochondrien, normal funktionieren.
Im Menschen arbeiten die Enzyme, die Taurin bilden sollen, etwas langsam, weswegen wir Taurin aus der Nahrung brauchen, um normale Taurinspiegel wahren zu können. Bei Katzen ist Taurin essentiell – diese reinen Fleischfresser (Hyperkarnivoren) können es nicht mehr bilden. Ein Mangel hat in diesen Tieren beispielsweise als Folge, dass das Herz krank wird (das Herz ist der wichtigste Muskel im Körper...) und es zur Blindheit kommt.
⇨ Taurin. Nur im Tier.
Wird im Körper aus zwei Aminosäuren hergestellt. Dafür nötig sind die Kofaktoren Vitamin C, Vitamin B6, Niacin und Eisen (hust, hust). Ein bisschen umständlich. Gebildet werden dann ein paar Milligramm, so circa 10 bis 20 mg. Damit soll ein Körper dann auskommen. Die Wahrheit: [Quelle nicht mehr verfügbar] (so wie Chris), die die Carnitinzufuhr über die Nahrung notwendig machen. Dabei haben 100 g rotes Fleisch oft schon 50 (Schwein), 100 (Rind) oder sogar 400 mg (Strauß) Carnitin. Eine unglaubliche Menge!
Carnitin ist bekannt als «Fatburner». Das ist natürlich eine Übertreibung. Richtig ist: Carnitin ist essentiell dafür, dass Fettsäuren in die Mitochondrien kommen, wo sie verbrannt werden. Dafür braucht es zwar keine grossen Mengen, aber schon vor 20 Jahren wurde mit markierten Fettsäuren gezeigt, dass Carnitin die Fettverbrennung deutlich erhöhen kann (vgl. [Quelle nicht mehr verfügbar]).
Doch darum soll's gar nicht gehen, weil Carnitin ist weit mehr als das. Carnitin hat einen immensen Einfluss auf die Gesundheit des Körpers. [Quelle nicht mehr verfügbar], wo es um die männliche Alterung geht, wirkt die Carnitingabe bei «erektiler Dysfunktion, depressiver Stimmung und Müdigkeit im Zusammenhang mit der männlichen Alterung» so gut wie oder besser als eine Testosterongabe.
Das ist nicht alles: Carnitin selbst reguliert Gene. [Quelle nicht mehr verfügbar] im Muskel, wo Testosteron dann besser wirkt. Carnitin wirkt auf den Muskel wie Dünger, kann ihn deutlich anaboler machen, indem es den so genannten anabolen Signalweg aktiviert (vgl. [Quelle nicht mehr verfügbar]). Und Carnitin ist nicht nur für den Muskel Dünger, sondern auch für das Gehirn. Unlängst wurde [Quelle nicht mehr verfügbar] gezeigt, dass Carnitin auf die Stimmung so gut wirkt wie ein Antidepressivum.
⇨ Carnitin kommt ausschliesslich im Fleisch vor.
Die Ernährung bestimmt, wie gut wir uns fühlen. Und zu weiten Teilen sind Aminosäuren und Aminosäurenabkömmlinge dafür verantwortlich. Letztenendes zeigt sich, dass ein guter Teil der Nahrung aus gutem Grund tierischen Ursprungs sein sollte. Wer das so nicht leben möchte, muss akzeptieren, dass ihm solche wichtigen Schlüsselsubstanzen fehlen – wenn möglich sollte man sie dann ergänzen. Die gute Nachricht ist, dass man keine grossen Mengen davon braucht und schon recht kleine Mengen an Tierprodukten einen grossen Unterschied machen können.
Also:
Aminosäuren machen Lebensgefühl.