Vitamin A gegen COVID?
Der geneigte edubily-Blog- und/oder Newsletter-Leser kennt die Bedeutung von Vitamin A. Vor allem mit Blick auf Infektionen. Erst vor kurzem gab es einen sehr ausführlichen Newsletter-Zweiteiler zu diesem Thema. Umso bemerkenswerter war es, als dann vor etwas mehr als einer Woche [Quelle nicht mehr verfügbar] erschienen ist, das da heisst:
13-cis-Retinsäure verbesserte die Outcomes von COVID-19-Patienten. Eine randomisierte klinische Studie
Das weckt natürlich die Aufmerksamkeit. Denn: 13-cis-Retinsäure ist, wie der Name verrät, eine Retinsäure. Aus Vitamin A wird im Körper ebendiese Retinsäure gebildet, die dann als Hormon fungiert. Typischerweise kommen im Körper verschiedene Retinsäuren vor, die wichtigste dürfte die All-trans-Retinsäure sein – gefolgt von 13-cis- und 9-cis-Retinsäure. Und was haben Vitamin A bzw. Retinsäuren mit COVID zu tun?
- All-trans-Retinsäure zeigt eine antivirale Wirkung gegen SARS-CoV-2 in einer Zellkultur. 13 cis-Retinsäure (Isotretinoin) hemmt zusammen mit anderen Retinoiden die Replikation von SARS-CoV-2 in Vero-E6-Zellen. Nach Shoemark et al. kann 13 cis-Retinsäure an das SARS-CoV-2-Spike-Protein binden, die für die Rezeptorbindung erforderlichen Konformationsänderungen beeinflussen und die verriegelte ACE2-Konformation des Spike-Proteins stabilisieren. Auf diese Weise kann es den Eintritt des Virus beeinflussen, insbesondere in den frühen Stadien der Infektion.
So. Das Studiendesign sah also vor, 20 Spital-Patienten, die an COVID erkrankt waren, 13-cis-Retinsäure zu verabreichen – und 20 bekamen keine. Das Resultat könnte beeindruckender nicht sein:
- Nur 10 % der Retinsäure-Gruppe mussten auf die Intensivstation, während es 30 % der Placebo-Gruppe waren. Fälle also gedrittelt!
- Es gab keine Todesfälle in der Retinsäure-Gruppe – leider verstarben 15 % in der Placebo-Gruppe.
- Alle(!) Patienten in der Retinsäure-Gruppe erfuhren eine vollständige Genesung.
- Patienten, die 13-cis-Retinsäure verabreicht bekamen, erlebten eine deutliche Verbesserung des klinischen Verlaufs.
- Der PCR-Test war in der Retinsäure-Gruppe nach 13 Tagen negativ – in der Placebo-Gruppe dauerte es 23 Tage.
- Patienten der Retinsäure-Gruppe durften das Spital im Schnitt 30 % früher verlassen.
Hinzu sind weitere Parameter dokumentiert, die eindrücklich zeigen, wie stark die Retinsäure auch beispielsweise Entzündungsmarker senken konnte (CRP von 100 auf 8!) und welch stark positiven Einfluss die Gabe auf den Lymphocyten-Wert hatte.
Also ... da kommt man ein bisschen ins Grübeln, nicht wahr? Kann das alles so stimmen? Nichts für ungut, aber bei Studien aus Ägypten und so, muss man immer ein bisschen vorsichtig sein – drum dran denken, dass es ein Preprint (= Studie noch nicht in einem Fachmagazin veröffentlicht) ist.
Aber theoretisch gilt: Natürlich beeinflusst die eigene Vitamin-A-Versorgung auch die Menge an 13-cis-Retinsäure, die wir im Körper haben. Wieso hat der eine nach 2 Wochen keine Viren mehr in der Nase und der andere schleppt sie noch nach 3, 4 Wochen durch die Gegend und „wird einfach nicht negativ". Liegt es an den schlechten Vitamin-A-Werten? Jedenfalls sind die Ergebnisse extrem spannend und passen in das Bild, das von [Quelle nicht mehr verfügbar] skizziert wurde:
Wir stellen die Hypothese auf, dass der Retinolmangel und die daraus resultierende gestörte Retinoid-Signalübertragung eine zentrale Rolle in der COVID-19-Pathogenese spielen, die durch ein gestörtes Immunsystem, einen Defekt der Typ-I-Interferon-Synthese, einen schweren Entzündungsprozess und eine zerstörerische systemische Multiorganbeteiligung gekennzeichnet ist.
Oha. „Zerstörerische, systemische Multiorganbeteiligung"? Durch Vitamin-A-Mangel? Heisst für uns: Sowas werden wir in unserer Presse selten lesen, von unseren medial präsenten Virus-Koryphären hören oder gar als Handlungsanweisung von unseren Politikern erklärt bekommen.
Jedenfalls: Es gibt sie, beeindruckende Resultate, an denen wir uns orientieren können. Glücklicherweise gibt es mittlerweile Omikron, nicht mehr Delta. Und glücklicherweise... sind viele ja schon dreifach geimpft ;-) (und kriegen sie bedauerlicherweise trotzdem an den Hals, die COVID-Grippe). Sarkasmus beiseite. Die Ergebnisse zeigen uns jedoch erneut, warum es wichtig ist, regelmässig Leber zu essen oder zumindest auf die tägliche Retinol-Versorgung (Vitamin-A-Kapseln/Tropfen, Lebertran, Leberwurst, was auch immer) zu achten. Das gibt uns eine starke Vitamin-A-Versorgung, ein schlagkräftiges Immunsystem und ausreichend hohe Retinsäure-Werte ([Quelle nicht mehr verfügbar]).