Mit Proteinfasten schnell Fett verlieren?
In unserem neuen Kurs widmen wir uns in einer ganzen Lektion dem Proteinfasten.
Das ist Proteinfasten
Proteinfasten meint nicht etwa den Verzicht auf Protein. Stattdessen handelt es sich um ein «Fasten» mit Protein. Denn das schont z. B. die Magermasse und erspart uns einen allzu starken Abfall der Stoffwechselrate.
Konzipiert wurde Abnehmen mit Protein vermutlich in den 70er-Jahren. Denn in diesen Jahren fällt in wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum ersten Mal der Begriff Protein sparing modified fast (kurz: PSMF).
Das (körper-)proteinsparende Fasten also. Seitdem wird PSMF quasi jedes Jahr neu aufgewärmt und unter einem anderen Namen verkauft. Die brauchen wir an der Stelle nicht zu nennen – wer ein bisschen reflektiert, wird schon die eine oder andere «neue Diät» mit dieser Wirkweise finden.
Viele besonders findige Menschen setzen einfach ihren Namen vor das Wörtchen Proteinfasten und scheffeln damit viel Geld – wohlgemerkt: Das geht schon seit vielen, vielen Jahrzehnten so.
Besonders ausgeprägt in den späten 00er-Jahren, in der Frühphase des schnellen Internets. Wie viele Menschen dieses PSMF reich gemacht hat, lässt sich natürlich nicht genau beziffern, aber es wird eine Menge sein.
Den Tag versüssen – langfristigen Erfolg versalzen
Das ist alles schön und gut. Wer Menschen hilft, darf und soll Geld verdienen. D'accord. Wenn es da nicht ein kleines Problemchen gäbe. Denn «Hilfe» wäre ja eher was Langfristiges, nicht wahr?
Proteinfasten kann nahezu jeder. Ursprünglich konzipiert wurde das Konzept, um schwer Übergewichtigen sehr schnell zu helfen. Der Erfolg ist oft beeindruckend durchschlagend.
Und: Proteinfasten ist – ähnlich wie der Veganismus – heutzutage ziemlich gut an einen spaßigen Lebensstil anzupassen.
Man kann sich heute in Form von äusserst leckeren Proteinpulvern, süssen Geschmackspulvern für die ansonsten fad schmeckenden Milchprodukte und einer Vielzahl an kalorienarmen oder -losen Ersatzprodukten eindecken.
Und betreibt damit weiter per definitionem ein Proteinfasten. Aber mit gesunder Ernährung hat das natürlich nix mehr zu tun. Menschen lernen bei diesen Konzepten also meistens nur, wie sie schnell Gewicht verlieren.
Sie lernen nicht, wie sie es langfristig halten. Um das zu ermöglichen, reicht es meistens nicht, sich mit Diätprodukten – wörtlich – den Tag zu versüssen.
Denkt jemand auch mal weiter?
Dieser Umstand lässt sich in aktuellen Studien auch ganz gut nachvollziehen. Erst 2020 erschien dazu eine erste Arbeit mit 1400 Probanden, die für fünf Jahre lang verfolgt wurden. Das ernüchternde Ergebnis:
«Schlussfolgerungen: In der klinischen Praxis führt das PSMF zu einer raschen Gewichtsabnahme in den ersten 6 Monaten, aber nur ein kleiner Prozentsatz der Patienten konnte langfristig eine signifikante Gewichtsabnahme beibehalten.»
Das erzählt einem dann meistens keiner mehr. Viel mehr prügeln sich viele Menschen mit einem PSMF in die Essstörung, da sie davon ausgehen, PSMF bis an ihr Lebensende durchziehen zu müssen, um immer wieder Fettverluste zu verzeichnen.
Stattdessen muss man nach Gewichtsverlust ein bisschen nach- und umdenken. So zeigt schon eine Studie aus 1989(!), dass eine «progressive Wiedereinführung von Kohlenhydraten» die erwartete Gewichtszunahme deutlich abfedern und sogar positive Effekte haben kann.
Leider sind die gerade oft besonders verhasst unter den Diätwilligen.
So nicht!
Halten wir fest: Leider wird PSMF häufig missbraucht. Sowohl von denen, die PSMF an den Mann bringen als auch von denen, die PSMF nutzen, um Gewicht zu verlieren.
PSMF ist kein Spielzeug. Es ist ein sehr mächtiges Werkzeug, das mit erheblicher Kalorieneinschränkung arbeitet. Zündeln sollte gekonnt sein.
PSMF ist vor allem im Kontext moderner Diätprodukte kein nachhaltiges Konzept, da es oft zu ausgiebigem Gewichtsrebound kommt. Darüber spricht nur kaum jemand – diese «Nachher-Bilder» tauchen freilich auch auf keiner Social-Media-Plattform mehr auf.
Sollte man wissen.