
Ernährung
Kohlenhydrate und Krebs
Neue Studien zeigen den Zusammenhang zwischen Kohlenhydratstoffwechsel, Blutzucker und Krebsrisiko. Eine ketogene Ernährung könnte in Kombination mit Immuntherapie wirksam sein.

Ernährung
Neue Studien zeigen den Zusammenhang zwischen Kohlenhydratstoffwechsel, Blutzucker und Krebsrisiko. Eine ketogene Ernährung könnte in Kombination mit Immuntherapie wirksam sein.
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Wenn es darum geht, was Kohlenhydrate mit Krebs zu tun haben, gibt es sicher mindestens drei unterschiedliche Personengruppen:
Um es maximal kurz zu halten: Kohlenhydrate als einer der Hauptenergieträger unseres Körpers können grossen Einfluss auf das Verhalten von (entarteten) Zellen haben. Und: Bei vielen ist dieser fein justierte Kohlenhydratstoffwechsel entgleist (Stichwort Insulinresistenz, Diabetes).
Es verwundert daher nicht wirklich, dass die Forschung seit Jahrzehnten eine gewisse Verzahnung zwischen Kohlenhydrat- bzw. Fettstoffwechsel, Immunsystem und Tumorentstehung beobachtet.
Zwei neue Studien belegen das eindrücklich.
In der ersten Studie¹ lassen Forscher verlauten, dass «ein Stoffwechselprodukt, das mit Diabetes, Fettleibigkeit und schlechter Ernährung in Verbindung gebracht wird, das Krebsrisiko erhöhen kann».
Klingt spannend? Die Wissenschaftler entdeckten, dass Methylglyoxal, ein Produkt des Kohlenhydratstoffwechsels, die zelluläre Tumorabwehr hemmt und so das Krebsrisiko erhöht – insbesondere bei Menschen, die Mutationen des bekannten «Brustkrebs-Gens» BRCA2 tragen.
Bei wem ist Methylglyoxal nachweislich erhöht? Ganz einfach: Die Werte steigen sprunghaft mit erhöhtem Blutzucker, den man als «Langzeitblutwert» HbA1c gut erfassen kann. Heisst:
Ein chronisch erhöhter Blutzucker erhöht das Krebsrisiko!
In einer weiteren aktuellen Studie² zeigte sich, wie eine verringerte Aktivität des Kohlenhydratstoffwechsels vor Prostatakrebs schützt. Wie man das im Labor macht? Indem man seinen Versuchstieren die Kohlenhydrate streicht («Keto-Ernährung»).
Zum Hintergrund: Prostatakrebs zeigt sich resistent gegenüber der ansonsten vielversprechenden Immuntherapie. Auch in diesem Versuchsmodell.
Während die Immuntherapie allein bei den Tieren keinen Nutzen (!) hatte, zeigte die Kombination aus einer Ergänzung mit einem Ketonkörper (β-Hydroxybutyrat) bzw. einer ketogenen Ernährung plus Immuntherapie robuste Erfolge.
Sensationell. Zur Erinnerung: Oft verzögert man bei Krebs nur die Progression, eine «Heilung» ist nochmal eine andere Nummer. Daher sind die Ergebnisse so entscheidend.
Wichtig ist hier, dass die ketogene Ernährung plus Immuntherapie gut war, aber der Ketonkörper plus Immuntherapie gleich gut oder sogar besser – es geht also primär um die Wirkung der Ketonkörper.
Obacht! Leider ist das Leben selten schwarz oder weiss. Denn: Keto an sich hilft in Studien oft nicht gegen Krebs und manche Tumore oxidieren sogar primär Fette. Pauschale Empfehlungen sollte man daher eher vermeiden.
Festhalten können wir, dass ein ungesunder Lebensstil das Krebsrisiko erhöht – und dass ein gesunder Lebensstil ganz automatisch dafür sorgt, dass man regelmässig Ketonkörper im Blut hat. Wer die raffinierten Kohlenhydrate und den Haushaltszucker weglässt, bildet nämlich schnell Ketonkörper.
Der Hauptautor der Studie stellt daher ganz richtig fest: Es geht nicht wirklich darum, auf Biegen und Brechen keine Kohlenhydrate mehr zu essen. Es komme viel mehr darauf an, regelmässig Ketonkörper zu bilden.
Wer gesund lebt, schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe: Das erhöhte Krebsrisiko sinkt und schützende Effekte stellen sich stattdessen vermehrt ein.
Wieder einmal eindrücklich bewiesen.
Li Ren Kong et al. A glycolytic metabolite bypasses "two-hit" tumor suppression by BRCA2. Cell, 2024
Sean Murphy et al. Ketogenic diet alters the epigenetic and immune landscape of prostate cancer to overcome resistance to immune checkpoint blockade therapy. Cancer Research, 2024