Kakao und seine göttliche Wirkung
Sie ist in aller Munde, heiss begehrt und bringt sogar eisige Gemüter zum Schmelzen. Die Rede ist natürlich von – wie kann es anders sein – unserer geliebten Schokolade.
Einst als «Food for the Gods» verehrt, ist sie heutzutage fast überall präsent. Und jetzt lockt sie uns auch noch mit gesundheitlichen Vorteilen? Sehr praktisch!
Ja, das wäre es! Aaaaber nicht so schnell, es geht natürlich nicht per se um unsere geliebte, zartschmelzende Vollmilchschokolade, sondern vielmehr um einen ihrer Bestandteile, nämlich den Kakao.
Kakao hat seinen Ursprung in der mesoamerikanischen Kultur. Er wurde von den Maya als Geschenk der Götter angesehen und als Heissgetränk gewürzt mit Zimt oder Pfeffer getrunken.
Heutzutage würden die meisten wohl eher die Schokolade als unser Geschenk der Götter ansehen. Diese besteht im Grunde aus Kakaomasse, Kakaobutter und Zucker.
Bei der Herstellung von Schokolade werden die Kakaobohnensamen zuerst zu Kakaonibs zerkleinert; geröstet, gemahlen und fermentiert entsteht die Kakaomasse, deren Anteil in Prozent auf der Schokoladenverpackung angegeben wird. Kakaopulver entsteht, wenn man der Kakaomasse Teile der Kakaobutter entzieht.
Die Wunderstoffe des Kakaos
Die Hauptbestandteile von Kakao sind einfach ungesättigte und gesättigte Fettsäuren (Kakaobutter), Ballaststoffe, Mineralstoffe und Spurenelemente (Magnesium, Eisen, Kalium, Calcium, Zink und Kupfer).
Kakao punktet dazu mit bioaktiven Polyphenolen und Methylxanthinen.
Ein Gramm Kakaopulver enthält ganze 50 mg Polyphenole, was Kakao zu einer sehr guten Polyphenolquelle macht. Davon stellen Flavonoide die Hauptgruppe dar. Sie sind eine Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe, welche für den bitteren Geschmack der Kakaobohne verantwortlich sind. Epicatechin, Catechin und Procyanidin sind die Hauptvertreter der Flavonoide im Kakao.
Vergleicht man verschiedene Kakaoprodukte, sieht man schnell, dass diese Stoffe in den von uns konsumierten Produkten lediglich in Bruchteilen vorhanden sind. So enthält dunkle Schokolade nur mehr etwa 25%, Milchschokolade sogar nur 8% der Polyphenol-Anteile von Kakaopulver.
Kommen wir nun zur zweiten Kategorie der bioaktiven Stoffe: Methylxanthine sind Substanzen, die natürlich zum Beispiel in Kaffee, Tee und eben auch in Kakao vorkommen. Koffein und Theobromin gehören beide in die Gruppe der Methylxanthine und haben einen stimulierenden Effekt auf das zentrale Nervensystem. Kakao enthält hauptsächlich Theobromin; Koffein ist nur in geringen Mengen vorhanden.
Gesundheitliche Vorteile
Kommen wir aber nun zum für dich wahrscheinlich interessanten Teil – wie hilft Kakao deiner Gesundheit?
Kakao und das Herz-Kreislauf-System
Flavonoide erhöhen nachweislich die Stickstoffmonoxid-Bildung im Endothel, der Innenwand unserer Gefässe. Es kommt zur Gefässerweiterung, wodurch der Blutdruck gesenkt wird. Studien bestätigen, dass flavonoidreiche Schokolade, sprich dunkle Schokolade, und Kakao den Blutdruck senken. Schon 6–7 g dunkle Schokolade pro Woche können indirekt durch die Milderung des Bluthochdrucks das Risiko für Herzinsuffizienz verringern.
Kakao als Präbiotika
Kakao-Polyphenole haben ausserdem einen Einfluss auf unser Mikrobiom und wirken präbiotisch auf unseren Darm, d. h. sie unterstützen das Wachstum nützlicher Bakterien.
Studien zeigen, dass der Konsum von Kakao das Wachstum positiver Bakterienstämme (Lactobacillus spp. und Bifidobacterium spp) fördert, wohingegen pathogene Bakterien (Clostridien) gehemmt werden.
Kakao als Immunbooster
Lactobacillus und Bifidobacterium wiederum stimulieren T-Zellen (eine Untergruppe der weissen Blutkörperchen) sowie die Ausschüttung des Botenstoffs IL-10 und tragen so zum anti-entzündlichen Status unseres Darms bei.
Da Polyphenole vom Körper sehr schlecht absorbiert werden, werden sie im Darm umgewandelt. Diese Sekundärmetaboliten sind bioaktiv und haben ebenfalls eine antientzündliche und antioxidative Wirkung.
Kakao und unsere Stimmung
Schlecht gelaunt oder irgendwie einfach traurig? Probier es mal mit einem Stück dunkler Schokolade! Dass Schokolade stimmungsaufhellende Eigenschaften hat, hat vielleicht der eine oder andere von euch schonmal an sich selbst erlebt. Das bestätigt auch die Forschung. Frühere Studien haben diesen Effekt jedoch immer nur auf den süssen Geschmack des zart-schmelzenden Goldes zurückgeführt.
Aber aufgepasst: Koreanische Forscher haben in einer Studie gezeigt, dass der tägliche Konsum von dunkler 85%-iger Schokolade negative Stimmung signifikant verbessert hat – was die Schokolade mit 70% Kakaoanteil nicht konnte.
Ist es also doch der Kakao und nicht die zartschmelzende Konsistenz und der süsse Geschmack der Schokolade, der uns glücklich macht? Das haben sich die Wissenschaftler auch gefragt und weiter geforscht. Hochdosierte Kakao-Polyphenole zeigten starke positive Stimmungsveränderungen, niedrig dosierte hingegen nicht. Heisst also, der stimmungsaufhellende Effekt in Kakao ist dosisabhängig; je dunkler die Schokolade, desto glücklicher macht sie dich.
Und jetzt schliesst sich der Kreis: Denn auch der zuvor genannte präbiotische Effekt hängt indirekt mit dem stimmungsaufhellenden Vorteil von Kakao zusammen.
Schon mal von der Darm-Hirn-Achse gehört? Der Magen-Darm-Trakt und unser Gehirn sind sehr stark verknüpft und ständig im gegenseitigen Austausch. Geht es dem Darm gut, kommuniziert er das also auch dem Gehirn.
Unser Fazit
Zusammenfassend kann man also sagen: Ja, dunkle Schokolade hat einige gesundheitliche Vorteile und ist ein wahrhaftiger Mood-Booster. Dabei gilt jedoch, je höher der Kakaoanteil, desto stärker sind die positiven Effekte auf unseren Körper.
Tja, leider kommen die Antioxidantien aus der Kakaobohne und nicht vom Zucker, den E-Nummern oder Geschmacksverstärkern.
Was heisst das alles jetzt für unsere geliebte Schokolade?
Wie immer, gilt auch hier, die Dosis macht das Gift! Denn leider gilt auch oft – je höher der Kakaogehalt, desto mehr Schwermetalle sind enthalten.
Auch wenn sich Kakao und damit dunkle Schokolade nachweislich positiv auf die Gesundheit auswirken – jeden Tag eine Tafel Milka ist auch nicht der Schlüssel zum ewigen Leben. Und ja, das gilt auch für die Tafel mit 90% Kakaoanteil.