
Immunsystem
Ingwer boostet das Immunsystem
Forscher zeigen, wie Ingwer die Immunzellen trainiert und die körpereigene Abwehr stärkt – ein anerkanntes Konzept namens «Trained Immunity».

Immunsystem
Forscher zeigen, wie Ingwer die Immunzellen trainiert und die körpereigene Abwehr stärkt – ein anerkanntes Konzept namens «Trained Immunity».
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Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere an die mantraartige Wiederholung, «man kann das Immunsystem nicht trainieren». Quasi jedes Medium hat drüber berichtet, so gegen Ende des vergangenen Jahres.
Hintergrund war nämlich, dass nach Corona plötzlich viele weitere Infektionserkrankungen schlagartig aufflammten. Und daher musste vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk wieder seinem Bildungsauftrag nachkommen und die Bevölkerung belehren, dass ... man am besten gar nix tut. Hilft eh nix. Wer den Sarkasmus findet, darf ihn behalten :-)
Wir hatten dazu den einen oder anderen Artikel [Quelle nicht mehr verfügbar] zu diesem Thema verfasst. Darf man sich gerne nochmal durchlesen.
Jedenfalls stimmt es ja nicht, dass man das Immunsystem nicht «trainieren» kann. Denn jeder akute Infekt erhöht die Alarmbereitschaft gegen weitere Infekte. Sogar langfristig. Jeder Infekt, auch wenn er subtil ist («Stille Feiung»), lässt eine Immunität entstehen, die uns auch gegen verwandte Erreger schützt (Kreuzreaktivität). Und so weiter.
Das ist deshalb nicht unbedingt die Realität mancher unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger, weil viele ja ständig krank werden. Dass der Körper hier nicht ordentlich reagiert und offenbar ein chronisches Immundefizit vorliegt, auf die Idee kommen die wenigsten. Und auch Menschen, die sehr schwer an Infekten erkranken, können natürlich nicht nachvollziehen, wie das Immunsystem stärker nach Infekten werden soll.
Man schliesst also immer gerne wieder von nicht normalen (Immun-)Reaktionen auf die Allgemeinheit. Etwa so, wie wenn jemand ohne Erfolg im Fitnessstudio trainiert und dann die komplette Sportwissenschaft hinterfragen will. Oder so, wie wenn sich jemand überhebt und beim ersten Mal 80 kg auf der Bank drücken möchte. Kann ins Auge gehen. Aber deshalb ist doch «Training», also Erregerkontakt, nicht per se schlecht.
Wie dem auch sei. Dafür gibt's in der wissenschaftlichen Literatur auch noch einen passenden Begriff, nämlich Trained immunity. Wohlgemerkt: Ein anerkanntes Konzept, kein Hirngespinst. Und es geht genau darum: Dass das Immunsystem gestärkt aus einer Exposition hervorgeht, die langfristig schützt. Klappt durch Erregerkontakt. Aber auch durch das «Nachahmen» eines Erregerkontakts.
Der Haferballaststoff ss-Glucan wird z. B. als Pathogen wahrgenommen. Denn ss-Glucane finden sich auch in den Zellwänden von Bakterien und Pilzen. Wenn das Immunsystem ss-Glucan sieht, denkt es also, ein Eindringling steht vor der Tür. Die Folge ist eine Immunaktivierung, die uns vor echten Infekten schützt. Krankheitssymptome werden dabei übrigens nicht hervorgerufen. Spannend, nicht wahr? Und gut erforscht! Plus: Darüber gab's [Quelle nicht mehr verfügbar].
Aber natürlich kann man das Immunsystem nicht trainieren... ;-) Zuhause auf die Couch legen, überall brav Maske tragen und sich sozial isolieren, das ist der Weg!
Bevor das hier zum Kasperltheater ausufert, noch zum eigentlichen Thema heute. Es geht um [Quelle nicht mehr verfügbar] des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie der TU München. Die wollten nämlich der Sage nachgehen, dass Ingwer das Immunsystem «boostet», also trainiert.
Ausgangspunkt war das Ergebnis einer früheren Pilotstudie der Erstautorin: Nach dem Genuss von einem Liter Ingwertee misst man circa 30–60 Minuten danach signifikante Mengen an scharfen Ingwerverbindungen im Blut. Besonders markant hierbei ist der Anstieg von [6]-Gingerol, mit Plasmakonzentrationen von etwa 7 bis 17 Mikrogramm pro Liter.
Diese «Schärfe» wird über ein bestimmtes Protein vom Körper wahrgenommen, nämlich über den so genannten TRPV1-Rezeptor, der sowohl auf schmerzhafte Hitzereize als auch auf scharfe Verbindungen aus Chili oder Ingwer reagiert. Und hier kommt der Punkt: Auch weiße Blutkörperchen, also Immunzellen, besitzen diese Rezeptoren, weshalb das Team herausfinden wollte, ob [6]-Gingerol die Aktivität dieser Immunzellen beeinflusst.
Tatsächlich fanden die Forscher diesen Rezeptor auch auf den wichtigsten Immunzellen, den neutrophilen Granulozyten. Unsere Superwächter, die oft die erste Verteidigungslinie gegenüber Eindringlingen darstellen. Wer also nicht ständig krank sein möchte, sollte auf seine Neutrophile achten.
Long story short: Bereits eine sehr geringe Konzentration von knapp 15 Mikrogramm [6]-Gingerol pro Liter reichte aus, um die Zellen in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen, was mit einer Hochregulierung wichtiger Proteine in diesen Immunzellen verbunden war. Die Immunzellen reagierten als Folge etwa 30 % stärker auf eine Stimulation durch Bakterienproteine. Wichtig: Diese Konzentration werde schon nach einem Liter Ingwertee erreicht (s. o.), so die Autoren.
Doch Vorsicht: Die Autoren beschreiben auch, dass eine noch höhere Konzentration die Immunzellen in ihrer Funktion auch hemmen kann. Kennen wir. Die Dosis macht das Gift. Nur, weil etwas in normalen Mengen hilft, heisst es nicht, dass mehr noch mehr hilft.
Aus dieser Perspektive ist also auch Ingwer, vornehmlich in Form von Gingerol, ein Agens, das «Trained immunity» induziert. Zumindest akut. Vielleicht ein Grund, warum speziell in Ländern, bei denen Hygienestandards nicht gerade ganz oben auf der Agenda stehen, sehr ausgiebig gewürzt wird – weil es vor Pathogenen schützt.
Auch, wenn wir ungern abfällig über Medien oder s. g. Experten sprechen, heutzutage ist es wirklich schwer, nicht aus der Haut zu fahren, wenn man sieht, wie Fehlinformationen paradoxerweise im Namen von Faktenchecker-Berichten gestreut werden, die die Menschen in eine erlernte Hilflosigkeit treiben. Für was soll das gut sein? Es ist weder «Wahrheit» noch hilfreich.
Das Fazit bleibt also: Natürlich kannst du etwas für dein Immunsystem tun. Jederzeit! Beispielsweise Haferflocken essen und sie mit einem Ingwertee runterspülen. :-) Wer jetzt noch eine Portion Eiweiss – wie wär's mit [Quelle nicht mehr verfügbar] – hinterherschiebt, hat ... vielleicht ... gewonnen.
Changes made:
schließt → schliesst (ß→ss rule)Mitbürger → Mitbürgerinnen und Mitbürger (Swiss inclusive phrasing)Eiweiß → Eiweiss (ß→ss rule)