
Hirngesundheit
Fruchtfliege mit Dachschäden
Fruchtfliegenstudien zeigen, wie Zucker die Gehirnzellen insulinresistent macht und die Beseitigung von Zellabfall beeinträchtigt – ein Mechanismus hinter Neurodegeneration.

Hirngesundheit
Fruchtfliegenstudien zeigen, wie Zucker die Gehirnzellen insulinresistent macht und die Beseitigung von Zellabfall beeinträchtigt – ein Mechanismus hinter Neurodegeneration.
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Wenn man verstehen will, was bei uns Menschen falsch läuft, gucken Forscher sehr gerne bei anderen Lebewesen.
Das geht deshalb, weil viele Signalwege evolutiv konserviert sind. Insekten, Tiere, Pilze, Algen, Pflanzen und so weiter teilen sich nämlich alle den gleichen einzelligen Vorfahren.
Das sorgt dafür, dass der Aufbau unserer Zellen sehr ähnlich ist – wir alle gehören daher zu den sogenannten Eukaryoten.
Die Frage, warum es legitim ist, beispielsweise Tiere oder sogar einzellige Eukaryoten wie die Hefen für die Grundlagenforschung zu nutzen, lässt sich so beantworten.
Kurzum: Wir können durch diese Lebewesen mehr über unsere Zellen und uns selbst erfahren.
Ein beliebtes Forschungsobjekt ist die Fruchtfliege, mit dem berühmten Namen Drosophila melanogaster. Die ist im Umgang besonders einfach ;-)
Um mehr über die Alzheimer-Erkrankung bzw. Neurodegeneration bei uns Menschen zu erfahren, nutzten Forscher in einer aktuellen Studie ebendiese Fruchtfliege als Forschungsobjekt.
Die Forscher schreiben: Vieles, was man bei uns Menschen in hoher Komplexitätsstufe findet, findet man in analoger, wenn auch weniger komplexen Form, bei Drosophila.
Auch die Drosophila-Fliege wird – wie wir – durch zu viel Zucker in der Nahrung krank. Das jedenfalls legt diese aktuelle Forschung nahe.
Und das geht so: Fruchtfliegen dürfen in den Experimenten den ganzen Tag Süssigkeiten naschen... Spässchen. Ihnen wird reiner Haushaltszucker verabreicht.
Prompt zeigt sich, dass die Fliegen insulinresistent werden. Also wie wir. Das passiert bemerkenswerterweise auch im Gehirn der Tiere.
Dort finden sich Zellen, die unseren Gliazellen sehr ähneln. Gliazellen unterstützen die eigentlichen Nervenzellen. Sie füttern z. B. unser Nervensystem und räumen Dreck weg (Phagozytose).
Die Schlüsselerkenntnis der Forscher: Zucker macht die Gliazellen insulinresistent. Die funktionieren dann nicht mehr gut und schaffen es nicht mehr, den Schrott im Gehirn zu beseitigen.
«Wir stellen also fest, dass eine zuckerreiche, dickmachende Ernährung die gliale Phagozytosefunktion beeinträchtigt und die Beseitigung von neuronalem Abfall verzögert.»
Die Forscher erklären, warum das auch bei uns Menschen so wichtig ist:
«Defekte in der glialen Phagozytosefunktion sind ein wesentliches Merkmal neurodegenerativer Erkrankungen, da eine verzögerte Beseitigung neuronaler Ablagerungen zu Entzündungen, dem Tod von Neuronen und einer schlechten Erholung des Nervensystems führen kann.»
Aha. Hier haben wir's also wieder. Unsere ach so tolle moderne Ernährung stellt unseren Körperfunktionen schon auf der Mikroebene ein Bein. Und wir wundern uns immer.
Bist du auch eine zuckergemästete Fruchtfliege?
Mroj Alassaf and Rajan, A. (2023). Diet-induced glial insulin resistance impairs the clearance of neuronal debris in Drosophila brain. PLOS Biology, 21(11), pp.e3002359–e3002359. doi: https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3002359.