Einer der berühmtesten Biochemiker unserer Zeit, zugleich Nobelpreisträger, ist Albert Szent-Györgyi. Der hat Anfang des 20. Jahrhunderts auch Vitamin C isoliert und charakterisiert.
In einer wissenschaftlichen Arbeit formulierte Szent-Györgyi im Jahr 19771:
«Zur Regulierung gehören immer zwei Antagonisten. Der Verkehr kann nicht allein durch rotes oder grünes Licht geregelt werden, sondern nur durch Rot und Grün.»
So simpel aber genial. Denn damit beschrieb Szent-Györgyi exakt die Funktionsweise unserer Zellen, genauer: unserer Biochemie.
AMPK und mTOR
Die zwei in unserem Leben vielleicht wichtigsten «Zellschalter» sind AMPK (AMP-aktivierte Proteinkinase) und mTOR (mechanistic Target of Rapamycin), Hauptthema in unserem ersten Buch aus 2014, dem «Handbuch zu Ihrem Körper» (unten verlinkt).
Auch sie arbeiten im Kern antagonistisch. Wird der eine aktiver, so wird der andere inaktiver – und umgekehrt. Vieles von dem, was wir am Tag machen, wird am Ende komplexer biochemischer Pfade auf AMPK bzw. mTOR heruntergebrochen.
Sie wiederum aktivieren dann erneut ein ganzes Set an Signalwegen «hinter sich» (downstream), die mit bestimmten Verhaltensweisen einer Zelle bzw. ganzer Gewebe und schlussendlich des Körpers assoziiert sind.
Heute: Zu wenig AMPK, zu viel mTOR
AMPK steht dabei für «Schutz, Erhalt, Stressresistenz» und schlussendlich: Langlebigkeit. mTOR hingegen steht für «Wachstum, Reproduktion, Heilung» und schlussendlich für: Wohlbefinden.
Es geht daher selten darum, nur einen der beiden Schalter zu aktivieren. Es ist immer die Taktung aus der Aktivität beider Schalter.
mTOR ist der zelluläre Ueberflussschalter. Der darf besonders aktiv werden, wenn wir viel essen, uns wenig bewegen, wenn die Tanks randvoll sind, wenn wir unsere Zellen in Insulin baden. In Massnahmen ist das förderlich.
Im Uebermaass – wie in westlichen Gesellschaften – macht diese mTOR-Ueberaktivität aber krank. Wer jetzt glaubt, dass das doch einfach zu behebende Zusammenhänge seien, der irrt gewaltig, denn: Jährlich fliessen Abermillionen Euro in die Erforschung dieser Zusammenhänge und trotzdem sterben jährlich Millionen von Menschen an «zu viel mTOR».
Mehr AMPK, z.B. durch Sport
Abhilfe wäre, wie du es richtig vermutest, ziemlich leicht herbeizuführen. Denken wir nur an Szent-Györgyi, man brauche zur Regulation «immer zwei Antagonisten». Heisst: Wir müssten einfach AMPK aktiver machen, um mTOR zu drosseln.
Die Lösung hierfür liegt im Namen dieses Langlebigkeits-Enzyms. Denn AMPK («AMP-aktiviert...») wird aktiv, wenn die Zelle eben nicht mehr voll mit Energie ist, die Energiewerte also sinken. Zum Beispiel, wenn wir mal weniger essen.
Oder aber beim Sport. Sport gilt genau deshalb als «Polypill» gegen unzählige Erkrankungen.2 Sport ist eines der wichtigsten Instrumente, um AMPK regelmässig in vielleicht allen Geweben zu aktivieren.
Genau so schützt Sport via AMPK auch vor Alzheimer und Neurodegeneration. Im Muskel wird durch die erhöhte AMPK-Aktivität ein Botenstoff (Irisin) gebildet, der zum Gehirn gelangt und dort Nervenzellen schützt. Folgen3:
- Gesteigertes Wachstum von Nervenzellen in unseren Lernzentren (Hippocampi)
- Schutz vorm Absterben unserer Nervenzellen
- Verbesserte Zuckeraufnahme und Insulinwirkung im Gehirn (gut!)
- Gesteigerte «synaptische Plastizität», heisst: bessere neuronale Verschaltung
Nur durch Sport. Also AMPK.
Werde zum AMPK-Liebhaber
Wer diese Zusammenhänge einmal versteht, kann sich sehr viel fragwürdiges Wissen ersparen.
Dieses Wissen macht frei. Denn wer einmal verstanden hat, dass mTOR sich bei uns leicht aktivieren lässt, während AMPK in «modernen» Gesellschaften häufig zu kurz kommt ... gibt sich halt ein bisschen mehr Mühe mit AMPK.
- Ab und zu weniger essen,
- mal fasten oder
- mal Proteine sparen,
- mehr Pflanzenstoffe (aktivieren oft AMPK),
- deutlich mehr Alltagsbewegung aber auch Sport,
- ggf. Chrompicolinat (aktiviert AMPK4) oder andere NEM
– das Leben wird plötzlich einfach.
Wer AMPK leben will, hat bei uns vielfältige Optionen: Unser Blog, zwei Bücher (hier und hier) oder unsere Ergänzungsmittel. AMPK war ein Grund, warum es edubily heute überhaupt gibt.
Jedenfalls: An AMPK-Mangel müsste heutzutage niemand mehr sterben. Die traurige Wahrheit der Unterversorgung hatten wir ja hier erst kürzlich.
Quellen
- Albert Szent-Györgyi (1977): "The living state and cancer"
- Carmen Fiuza-Luces et al. (2013): "Exercise is the real polypill"
- Kim & Song (2018): "The Role of Irisin in Alzheimer's Disease"
- Hoffman et al. (2014): "Chromium enhances insulin responsiveness via AMPK"