Eigentlich wäre die bessere Überschrift: «Was wir mit Blick auf die Krebsprävention von braunem Fett lernen können.» Ist aber, wie man sieht, zu lang für eine Mail-Überschrift. Sei's drum.
Heute verknüpfen wir zwei Themenbereiche miteinander, die wir einzeln auch schon im Blog besprochen haben (verlinkt, s. u.). Wir haben heute Thema ...
... und: eine sehr, sehr neue, sensationelle Studie aus dem renommierten Fachmagazin Nature.
Wenn es um Krebsprävention geht, haben wir gelernt (hier), dass es immer um einen gesunden Energiestoffwechsel geht. Und ein gesunder Energiestoffwechsel ist dadurch gekennzeichnet, dass er verarbeitet, was man ihm anbietet. So einfach, so kompliziert. Heisst, die Maschine verheizt sowohl gut Kohlenhydrate (= Blutglukose bleibt niedrig) als auch Fettsäuren (= der Spiegel an freien Fettsäuren, das sind Energieträger, die das Fettgewebe konstant abgibt, bleiben niedrig).
Versteht man. Einen gesunden Energiestoffwechsel hat man also, wenn man Energie los wird. Wenn die Energie sich im Blut staut, weil es in den Zellen, also im Endverbraucher, nicht unterkommt, dann hat man halt keinen gesunden Energiestoffwechsel. Letzteres betrifft leider nicht wenige Menschen.
Hier setzt aber die Tumorprävention an, denn: Wenn du es dem Tumor in deinem Körper schwer machen willst und deinem Immunsystem sozusagen Zeit und vor allem die Power(!) schenken möchtest, den Tumor effizient zu bekämpfen ... dann solltest du dir zwei «Maximen» merken:
- Tumorzellen hassen Energie-, sprich Substratmangel.
- Immunzellen hassen Energieüberfrachtung, also genau das Gegenteil.
Ergo: Während Immunzellen in der vom westlichen Lebensstil geprägten Energieüberfrachtung keine Leistung bringen, wachsen und gedeihen Tumorzellen in ebendieser wunderbar. Das ist der «Trick». Denn genau das hilft uns, zu verstehen, was Abhilfe schafft.
Abhilfe würde aus der Perspektive schaffen:
- Metabolisch aktives Gewebe, das konstant Energie verbraucht und dem Tumor damit das Leben schwer macht.
- Kalorienrestriktion.
Letzteres ist zwar ein probates Mittel, und sollte auch genutzt werden, wenn man zu viel Energie auf den Hüften hat. Aber heute soll es um Punkt 1 gehen. Und hier knüpft die neue Studie an.
Du hast drei verschiedene Arten Fettgewebe in dir:
- Weisses, «faules» Fettgewebe, das hauptsächlich Speicherfunktion hat und meistens dadurch auffällt, dass es den Körper krank macht.
- Braunes, metabolisch aktives Fettgewebe, das hauptsächlich im Nackenbereich sitzt und dir Körperwärme machen soll. Macht, logischerweise, gesund, weil es Energie verbraucht, um Wärme zu produzieren.
- «Beiges» Fett, das ein Mischtyp aus beidem ist, der überall im Unterhautfettgewebe vorkommt und der sehr schnell durch entsprechende Massnahmen induzierbar ist.
Heisst, es ist förderlich für dich, möglichst viel beiges (oder braunes) Fettgewebe mit hoher Aktivität zu haben. Eine Möglichkeit, dieses beige oder braune Fett sehr viel aktiver zu machen, ist ... zu frieren. Denn das ist ein sehr starker Reiz für den Körper, dieses Fettgewebe zu aktivieren und den Körper damit zu heizen.
Forscher haben in einer aktuellen Studie nun untersucht, wie sich Kälte und damit die Aktivität von braunem/beigem Fettgewebe, auf das Tumorwachstum auswirkt. Rausgefunden haben die Wissenschaftler, dass Kälteexposition (in den Tierversuchen: 4 Grad!) dieses Fettgewebe stark aktiviert und das Tumorwachstum drastisch verlangsamt. Einfacher Grund wohl: Dieses metabolisch aktive Gewebe saugt Nährstoffe, allen voran Glukose (also ein Zucker), aus dem Blut und der Tumor kriegt weniger ab.
Verstanden? Es gibt also eine Konkurrenz zwischen gesundem, sehr stoffwechselaktivem Gewebe und dem Tumor. Hier gelang es den Forschern, mit Hilfe von Kälte das Ganze so zu verlagern, dass es für den Tumor ungemütlich wurde. Wer jetzt aufgepasst hat, erinnert sich an die zwei oben genannten «Maximen» und versteht, dass Nährstoffe verbraucht werden müssen, damit sie nicht schaden. Das ist hier, über Umwege (Kälte und Induktion von braunem/beigem Fettgewebe), passiert.
Könnte ja auch für das Coronavirus gelten. Aber das ist ein anderes Thema.
«Amüsant» ist dabei eine Randnotiz. Die Forscher haben für das Experiment auch ein Werkzeug benutzt, das man PET-Scan nennt. Kennen einige Tumorpatienten sicher. Dabei wird markierte Glukose (= Zucker) injiziert, die der Tumor sehr intensiv aufnimmt. Per bildgebendem Verfahren kann man dann genau sehen, wo einige (nicht alle!) Tumorstellen im Körper sind. Wer mal live dabei war, wird wissen, dass Patienten dann ganz still halten müssen und nicht frieren dürfen. Grund: Der injizierte Zucker wird ansonsten von stoffwechselaktiven Geweben geschluckt ... und weniger vom Tumor, der dann nicht deutlich sichtbar wird.
Man könnte ja weiter denken an der Stelle ... nicht wahr? Einfach mal umdrehen. Haben die Forscher in dieser Studie getan. Und eindrucksvoll gezeigt: Du brauchst einen gesunden, verbrauchenden Energiestoffwechsel. Das Essen muss verbraucht werden und darf sich nicht, wie heutzutage in vielen Wohlstandsgesellschaften üblich, sonst wo stauen. Denn dann hat der Tumor sehr leichtes Spiel.
Abschliessend ein wichtiger Hinweis: Es geht nicht darum, dass du diese Studie jetzt per Wort nimmst und ständig im Eiswasser badest. Es geht um das Prinzip dahinter, nämlich, dass du Energie, die du zuführst, aktiv verbrauchen musst! Nur, um das nochmal klarzustellen...