4 unbekannte Folgen von Übergewicht
Seit Jahrzehnten ist auch in der Schweiz ein deutlicher Anstieg der Übergewichtsraten zu verzeichnen. Mit gravierenden Folgen, die wir heute besprechen wollen.
Die Schweiz wird immer übergewichtiger
Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2022 sind 43 % der Bevölkerung übergewichtig oder adipös – bei den Männern sind es sogar über 52 %, bei den Frauen knapp 34 %. Rund jede achte Person leidet bereits an Adipositas. Es gilt: Je älter der Mensch, umso gravierender lesen sich die Statistiken.
Gleichwohl muss ein bisschen differenziert werden: Statistisch erfasst wird auf Basis des oft kritisierten BMI (Body Mass Index). Hier spielen nur zwei Variablen eine Rolle, nämlich Grösse und Gewicht.
Dass Gewicht an sich aber entweder mit Fettmasse oder mit Magermasse zusammengesetzt sein kann (= Körperkomposition), spielt keine Rolle bei dieser Masseinheit.
Daher sind leider auch austrainierte Kraftsportler schnell übergewichtig und sogar adipös :P Einen bestimmten Prozentsatz an Menschen mit hoher Magermasse dürften wir also noch ausklammern.
Vier unbekannte Folgen des Übergewichts
Doch darum soll es heute gar nicht gehen. Wir wollen dir heute vier völlig unbekannte Folgen des Übergewichts, d. h. Folgen einer hohen Fett- bei häufig niedriger Magermasse, nennen.
Denn: Übergewicht ist nicht nur «ein bisschen mehr Gewicht mit sich herumschleppen» oder «kaputte Gelenke». Chronifiziertes Übergewicht ist vielmehr ein aktiv krankmachender Prozess, der schleichend Körperfunktionen beeinträchtigt.
- Übergewicht macht Testosteronmangel und Östrogendominanz.
Im Fettgewebe kommt besonders viel Aromatase vor – ein Enzym, das Testosteron zu Estradiol, das wichtigste Östrogen, umsetzt.
Den Männern raubt die Fettmasse ihre Männlichkeit, den inneren Antrieb und die Stoffwechselgesundheit (Q). Bei Frauen sorgt der erhöhte Östrogenspiegel für viele östrogenbedingte Erkrankungen – darunter auch ein gesteigertes Krebswachstum (Q).
- Übergewicht lässt das Hirn schrumpfen.
Klingt komisch, ist aber so: Je breiter der Unterbau, umso schmaler wird's nach oben hin – wie bei einer Pyramide.
Die Forschung zeigt eindrücklich: Je dicker man wird, umso schlechter wird das Gehirn mit Blut und dadurch mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt (Q). Das resultiert langfristig in einem Funktionsverlust und einer messbaren Gehirnatrophie (Schrumpfung).
- Übergewicht macht Vitamin-Mangel.
Studien zeigen, dass Übergewicht zu einem funktionellen Vitamin-A-Mangel in den Geweben führt, da die Leber die entsprechenden Transportproteine weniger bildet (Q).
Unter Übergewicht brauchen wir generell mehr Vitamine – das zeigt sich nicht nur am Beispiel von Vitamin A, es wurde ausserdem von Vitamin D, Selen und Zink gezeigt. Übergewichtsbedingter Vitamin-Mangel an sich wird so ein Treiber für Erkrankungen!
- Übergewicht entzündet Teile des Gehirns.
Es gibt robuste Hinweise darauf, dass bestimmte Teile des Gehirns im Zuge des Übergewichts «heiß laufen» und sich entzünden. Dadurch wird unter anderem die Funktion der Bluthirnschranke beeinträchtigt, die das Gehirn vor äusseren Einflüssen schützt.
Aktuelle Forschungen, publiziert in renommierten Fachmagazinen, legen nahe, dass dies z. B. das Risiko für Alzheimer, Demenz oder Depressionen erhöht. Dort sprechen die Wissenschaftler auch vom «Fetten Gehirn» bzw. vom «Gehirn unter Fettleibigkeit» (Q).
Schleichend krank
Das Leben in und um uns herum ändert sich ständig. Die Veränderung einer einzigen Variablen kann – in Übereinstimmung mit dem Schmetterlingseffekt – erhebliche Auswirkungen auf ganze Systeme haben.
Chronisches Übergewicht ist also kein statischer Prozess, der gleichbleibende Folgen hat. Chronisches Übergewicht vergiftet Körpersysteme und wird langfristig dazu führen, dass das Abnehmen immer schwerer wird und sich Krankheiten etablieren.
Ein wichtiger erster Schritt für viele Übergewichtige ist es, erstmal Grundlegendes über diese Krankheit zu verstehen. Beispielsweise, wie sich der Körper schon auf Basis des muskulären Energiestoffwechsels auf Übergewicht programmiert (mehr dazu hier).
Die gute Nachricht ganz zum Schluss: Übergewicht macht nicht immer krank – je nach Lebensstiloptimierung lassen sich viele krankmachende Prozesse verlangsamen, selbst dann, wenn das Gewicht nicht akut sinkt.
Gesünder leben lohnt sich also in jedem Fall!