Zyklus optimieren & Fruchtbarkeit erhöhen
Frauengesundheit wird für uns immer bedeutender. Das liegt daran, dass es viele frauenspezifische Themen gibt, die noch viel zu selten angesprochen werden. Es gibt einen erheblichen Aufklärungsbedarf. Daher ist es uns wichtig, vermehrt gesundheitliche Themen anzusprechen, die explizit Frauen betreffen. Auch deshalb sind wir froh, mit Annika (Biochemikerin, MSc.) ein weibliches Mitglied in unserem Team zu haben, die hier intensiver forscht.
Mehr «Frauenthemen»
Annika hat sich schon der einen oder anderen Frauenthematik angenommen, wie z. B. PCOS und Inositol oder kürzlich Östrogendominanz (betrifft aber nicht nur Frauen!). Wir merken: Die Themen treffen auf grossen Anklang. Auch im Bereich der Schwangerschaft gibt es noch allzu viele Mythen und Fehlinformationen. So sind nach wie vor viele Schwangere verunsichert, was das Thema Vitamin A in der Schwangerschaft betrifft. Auch hier haben wir schon versucht, Aufklärungsarbeit zu leisten. Wir müssen es schaffen, dass dies eben kein informativer Graubereich bleibt, sondern zu einer Art Grundwissen wird, mit dem z. B. (werdende) Schwangere arbeiten können.
Am Beispiel Folat
Beispiel Folat. Eine schlechte Folatversorgung ist immer wieder mit einem gesteigerten Risiko für weibliche Unfruchtbarkeit assoziiert.¹ Umgekehrt zeigt sich, dass eine optimale Folatversorgung eine reibungslose Schwangerschaft begünstigt und das Ungeborene vor Fehlbildungen wie z. B. Neuralrohrdefekten schützt. Es ist sehr gut belegt, dass ein hoher Folatspiegel (in roten Blutzellen) von >1000 nmol/L das Risiko für Neuralrohrdefekte erheblich reduziert, viertelt.²
In vielen Ländern, auch in der Schweiz, zeigt sich ein ähnliches Bild: Ein grosser Teil der Frauen weist Folatspiegel auf, die mit erhöhtem Risiko für Neuralrohrdefekte verbunden sind, während nur wenige Frauen die maximal schützenden 1000 nmol/L erreichen.³,⁴ Folat ist der Schlüssel für eine optimierte Methylierung unserer Zellen. Das hält den zellulären Stoffwechsel fit und sorgt für eine normale Genregulation. Um optimale Spiegel zu erreichen, müssen Frauen jedoch schon einige Wochen, besser Monate vor der Schwangerschaft mit 400 oder 800 µg Folat ergänzen!⁴ Grundwissen. Kleiner Einschub an der Stelle: Ideal wäre es natürlich, durchgängig ein Multi zu nehmen, das 400 µg Folat liefert, sodass die Spiegel von Haus aus in optimierten Bereichen liegen. (Ach so!)
Nährstoffe und Fruchtbarkeit
Es gibt eine ganze Reihe an Nährstoffen, die mit einem geringeren Risiko für Unfruchtbarkeit assoziiert sind. In einer aktuellen Studie auf Basis der US-amerikanischen NHANES 2013–2016 zeigte sich beispielsweise, dass eine höhere Zufuhr von Vitamin A, Vitamin C, Magnesium, Eisen, Lycopin und wieder einmal Folat, jeweils mit einem 10–64 % niedrigeren Risiko für weibliche Unfruchtbarkeit assoziiert war.⁵ Die Mikronährstoffversorgung ist derart wichtig für die weibliche (natürlich auch für die männliche!) Fruchtbarkeit, dass neuere Forschungen das Thema für sich entdecken: «Da die Ernährung und der Lebensstil offenbar wichtige Faktoren sind, die die Fruchtbarkeit beeinflussen, ist es sinnvoll, das Wissen in diesem Bereich zu erweitern.»⁶
Das Wissen in dem Bereich zu erweitern! Wohlgemerkt, nicht in den 1960er-Jahren, sondern 2024… In vielen Ländern zeigt sich, dass es Menschen in Bezug auf viele Nährstoffe fehlt. Besonders hervorzuheben seien hier Vitamin D und Folat, Eisen, Calcium und Jod sowie Magnesium und auch Zink.
Quellen
- Cueto et al. (2022): Dietary folate intake and fecundability in two preconception cohorts
- Crider et al. (2014): Population red blood cell folate concentrations for prevention of neural tube defects: Bayesian model
- Obeid et al. (2019): Dietary and lifestyle predictors of folate insufficiency in non-supplemented German women
- Obeid et al. (2018): The effectiveness of daily supplementation with 400 or 800 µg/day folate in reaching protective red blood folate concentrations in non-pregnant women: a randomized trial
- Ji et al. (2023): Association between nutrient intake and female infertility: a study based on NHANES database
- Skoracka et al. (2021): Female Fertility and the Nutritional Approach: The Most Essential Aspects