
Mineralstoffe
Unglaubliche Zink-Studie
Wie Zink die Immunfunktion älterer Menschen durch eine einfache Supplementierung (10 mg) dramatisch wiederherstellt – eine bemerkenswerte Studie zeigt den Zusammenhang zwischen Zinkstatus und IL-2-Regulation.

Mineralstoffe
Wie Zink die Immunfunktion älterer Menschen durch eine einfache Supplementierung (10 mg) dramatisch wiederherstellt – eine bemerkenswerte Studie zeigt den Zusammenhang zwischen Zinkstatus und IL-2-Regulation.
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Zink ist ein unfassbares Spurenelement. Es ist nach Eisen sogar das häufigste im Körper.
Zink ist alleine deshalb schon so wichtig, weil es z. B. die Interaktion vieler Transkriptionsfaktoren und Hormonrezeptoren mit der DNA ermöglicht, da es die Bindung zur DNA stabilisiert. Heisst, dein Schilddrüsenhormon soll wirken, also muss es mit der DNA wechselwirken können. Diese Wechselwirkung funktioniert nur mit Zink reibungslos. Versteht man also. Bei zu wenig Zink hat man eben weniger Hormonwirkung.
Auf diese Weise wirkt Zink auch gegen Krebs. Denn eines unserer wichtigsten Anti-Tumor-Proteine, p53, enthält einen s. g. Zinkfinger, also eine Schleife im Protein, in der Zink gebunden ist und die es ermöglicht mit der DNA zu wechselwirken – siehe oben. Heisst, auch p53 kann nur wirken, wenn genug Zink da ist. In jedem zweiten Tumor ist p53 mutiert und weitestgehend wirkungslos. Studien zeigen seit vielen Jahren, dass Extra-Zink dieses mutierte p53 wieder funktionsfähig macht. Unglaublich eigentlich. (Achtung, das ist keine Behandlungsempfehlung!)
Erst vor kurzem ist eine genauso unglaubliche Arbeit von der medizinischen Fakultät der RWTH Aachen publiziert worden. Die RWTH Aachen gilt als eine der besten Hochschulen in Deutschland. Drum gilt dann auch für uns: Genau hinsehen. Und natürlich kommen genau von solchen Unis die besten Resultate. Achtung, jetzt wird's spannend.
Die Forscher interessieren sich für den bekannten Abfall der Immunfunktion von älteren Menschen. Naheliegend sei Zink – der Zusammenhang sei seit vielen Jahrzehnten beschrieben. Und prompt finden die: Alte Menschen, im Schnitt rund 85 Jahre, haben häufig einen Zinkmangel, mit einer Prävalenz von circa 70 %. Wohlgemerkt: Dabei handelt es sich um ein Spektrum. Denn: Der Zinkabfall kann marginal sein und schleicht sich ob der schlechteren Aufnahme etc. über viele Jahre ein. Defizienz ist dann der Endpunkt.
Jetzt wird aber nicht gross philosophiert oder geschätzt – es wird gemessen! Und zwar konkrete Marker der Immunfunktion. Die Forscher haben sich dafür einen der wichtigsten Wachstumsfaktoren für T-Zellen, unsere Immunsystem-Spezialeinheit gegen Krebs, Viren etc., nämlich Interleukin-2 (IL-2) ausgesucht. Sie beweisen: Ein niedriges Zink ist kausal verantwortlich für niedrige IL-2-Werte. Und niedrige IL-2-Werte bedeutet, dass das Immunsystem seinen Turbo nicht einlegen kann, wenn es gebraucht wird.
Und das bestätigen die Forscher so: Sie zeigen, dass bei niedrigem Zink ein Transkriptionsfaktor namens CREMα überaktiv ist, der die Bildung von IL-2 hemmt. Die alten Damen und Herren wurden dann mit Zink, lediglich 10 mg, supplementiert, was innerhalb von nicht mal einer Woche dazu führte, dass sich die CREMα-Werte normalisierten (senkten) und die IL-2-Werte als Folge dramatisch stiegen. Und zwar auf Werte, die die Forscher auch bei jungen Menschen gemessen hatten.
Einfach so. Durch Zink. 10 mg.
Ein niedriges Zink und speziell ein dadurch verursachtes niedriges IL-2, «prädispositioniert ältere Menschen für verschiedene altersbedingte Krankheiten und trägt zu ihrer erhöhten Gesamtsterblichkeit bei», so die Autoren.
Die Forscher machen in ihrer Arbeit noch einige weitere Bemerkungen, gut zuhören:
Die Autoren merken an, dass es von klinischer Bedeutung wäre, den Zinkstatus bei Spitaleinweisung direkt zu bestimmen und entsprechend direkt zu supplementieren, falls ein Mangel vorliegt.
Die Forscher würden sich wünschen, dass es in Zukunft weitere, grössere Forschungen mit mehr Probanden zu diesem Thema gäbe. Leider, leider sei das in Zukunft schwierig, weil «neue regulatorische Veröffentlichungen erschienen sind, in denen empfohlen wird, nicht mehr als 6,5 mg Zink als Nahrungsergänzung zur normalen Ernährung einzunehmen», was es möglicherweise schwierig macht, die Genehmigung für eine solche Studie zu erhalten.
Es deutet sich in dieser Studie nur ganz, ganz leicht an. Wer aber nur ein bisschen zwischen den Zeilen lesen kann, versteht, warum regulatorische Restriktionen zunehmend wichtige Forschung behindern:
Man kann nur noch den Kopf schütteln.