
Konzentration
Meditation
Meditation trainiert deinen präfrontalen Kortex wie einen Muskel. Doch digitale Ablenkung trainiert das Gegenteil – und echte Selbstkontrolle ist kostbarer denn je.

Konzentration
Meditation trainiert deinen präfrontalen Kortex wie einen Muskel. Doch digitale Ablenkung trainiert das Gegenteil – und echte Selbstkontrolle ist kostbarer denn je.
Line items
Heute mal ein ganz anderes Thema.
Wieso kommt man auf die Idee zu meditieren? Natürlich könnte man Spiritualität oder ganz banal Entspannung anführen. Ich persönlich aber habe schnell einen anderen Sinn dahinter verstanden.
Für Leute, die sich mit dem Thema Meditation noch nie befasst haben: Im Grunde fokussiert man einen Gedanken, ein Bild vor dem inneren Auge oder auch eine Melodie, die im Kopf abläuft. Das «Ziel» ist, beim gedanklichen Abschweifen wieder zurückzukommen. Anders herum formuliert, beim Gedanken, Bild oder der Melodie zu bleiben.
Im Grunde ist das eine Konzentrationsübung. Das Coole ist, dass das Gehirn anatomische Veränderungen zeigt. Nämlich im sogenannten präfrontalen Kortex, das ist der Gehirnbereich direkt hinter der Stirn. Dieser Bereich wird durch diese «Konzentrationsübung» trainiert wie ein Muskel. Übrigens bewiesen an meditierenden Mönchen.
In dieser Hirnregion leben wir. Weil wir dort Sachverhalte durchdenken, analysieren, wichtige Entscheidungen treffen und vor allem Kontrolle über das eigene Gehirn erlangen, über dieses doch oft ganz schön wilde, ungezämt wirkende Pferdchen. Es gibt für uns deshalb fast nichts Wichtigeres als ein funktionierender, gut trainierter präfrontaler Kortex. Wenn der mal – zum Beispiel durch einen Unfall – kaputt geht oder einfach nur Funktionsausfälle zeigt (zum Beispiel bei ADHS), ist die Kacke am Dampfen.
«Konzentration» kennen wir noch aus der Schule, wenn man mal für fünf Minuten den Schnabel halten und irgendwie produktiv sein sollte. Die Wahrheit ist, dass «Konzentration» viel, viel mehr beinhaltet. Tatsächlich schweifen wir nicht nur im Alltag, sondern auch in ganzen Lebensphasen viel zu oft ab und schaffen es nicht, mental am Ball zu bleiben. Beispiel: Wer es nicht schafft, in schwierigen Lebensphasen «konzentriert» zu bleiben, wird unter Umständen verrückt, trifft falsche Entscheidungen oder erstickt in Problemen.
Also, merke: Konzentrationsfähigkeit ist etwas Herrliches! Und damit meine ich, ich wiederhole es nochmal, nicht nur die Fähigkeit, anderen mal länger als zwei Minuten zuhören zu können.
Was machen wir heute, also heutzutage? Wir machen Reverse-Meditation. Den Begriff habe ich grade erfunden. Meditation heisst im Grunde: Ich habe Kontrolle über Impulse. Reverse-Meditation bedeutet umgekehrt: Ich lasse mich von Impulsen kontrollieren. Und dadurch trainieren wir genau das Gegenteil.
Wir geben uns viel Mühe beim Reverse-meditieren. Dazu muss man nur mal eine Weile Instagram öffnen. Impuls, klick. Impuls, klick. Impuls, klick. Natel weggelegt. Hirn meldet sich, Impuls, Instagram öffnen. Und wieder: Impuls, klick. Impuls, klick. Das kann stundenlang so gehen! Und: es gibt nicht nur Instagram. Es gibt Newsseiten wie Sand am Meer, eine endlose Anzahl an Youtube-Videos und so weiter. Und alle 10 Minuten meldet sich eine andere Seite oder App, die gerne mal wieder geöffnet werden möchte.
So nicht.
Das Traurige an der Sache ist das Resultat. Dieses sprunghafte Verhalten. Nicht mal eine Zeit lang bei einer Sache bleiben zu können. Sich schwertun dem Gegenüber mal länger als zwei Minuten zuzuhören. Oder, sich nicht im Griff zu haben.
Speziell den letzten Satz betreffend muss ich oft genug an Menschen denken, die abnehmen wollen. Wer abnehmen will, muss sich mitunter wochen-, ja monatelang konzentrieren. Immer am Ball bleiben. Nicht abschweifen. Viele machen das Gegenteil: Erst zwei Wochen mit der Keule draufhauen. Das Wochenende danach dann den Ben-&-Jerry's-Orgien frönen.
Ein trainierter präfrontaler Kortex. Gold wert.
Übrigens: Hoffentlich ist dieser Präfrontal-Kortex auch mit wichtigen Mikronährstoffen angereichert, etwa Omega-3-Fettsäuren (vor allem DHA), Zink und Eisen. Denn so einen Funktionsausfall kann man auch machen, indem man diesem Bereich die Stoffe entzieht, die er zum Funktionieren braucht. [Quelle nicht mehr verfügbar]:
Zusammengefasst deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass eine unzureichende DHA-Aufnahme beim Erwachsenwerden die Entwicklung der Verhaltenskontrolle behindern kann.
Das Gegenteil scheint auch zu stimmen: [Quelle nicht mehr verfügbar].
Wo wir wieder mal bei der Ernährung wären. DHA, Zink, Eisen und andere Mikronährstoffe – geschenkt bekommt man die nicht. Und es hat einen Grund, warum wir das grösste Gehirn aller Primaten haben. DHA wächst nicht auf Bäumen ;-)