
Herzgesundheit
Machen Omega 3s Rhythmusstörungen?
Omega-3-Fettsäuren gelten zu Unrecht als Risikofaktor für Herzrhythmusstörungen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass sie das Herz tatsächlich schützen.

Herzgesundheit
Omega-3-Fettsäuren gelten zu Unrecht als Risikofaktor für Herzrhythmusstörungen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass sie das Herz tatsächlich schützen.
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Aktuell erreichen uns wieder vermehrt besorgte Mails. Da heisst es, «Ich habe gelesen, dass Omega-3-Fettsäuren Herzrhythmusstörungen begünstigen können, was ist dran?».
Nun ja, man könnte ja ganz einfach einmal in unserem Blog stöbern. Dort würde man fündig. [Quelle nicht mehr verfügbar]
Es geht genau genommen nämlich um eine bestimmte Art der Rhythmusstörung, das Vorhofflimmern. Sehr unangenehm. Glücklicherweise kommt das meistens nicht einfach so.
Vorhofflimmern ist eine Krankheit des Alters. Menschen über 80 zeigen fünfmal häufiger Vorhofflimmern als Menschen mittleren Alters.
Eine Vielzahl an Störungen des Herzkreislaufsystems (Bluthochdruck, Arteriosklerose, Kardiomyopathie, Herzschwäche, Herzklappendefekte etc.) sind eng verbunden mit dem Auftreten des Vorhofflimmerns.
Eine Vielzahl an Lebensstilfaktoren sind zudem mit einem erhöhten Aufkommen assoziiert, so beispielsweise Übergewicht, zu wenig Bewegung (aber auch zu exzessiv), Rauchen, Alkohol, Störungen der Schilddrüse sowie unregelmässiger Schlaf.
Soll heissen: Du bist nicht unschuldig. Wenn's bei dir auftritt, dann sehr wahrscheinlich aus einem vermeidbaren Grund. An Omega 3 wird's dann eher nicht liegen.
Doch Omega 3 ist gar nicht per se mit Herzrhythmusstörungen assoziiert. Noch vor zehn Jahren hiess es in einer Studienzusammenfassung beispielsweise:
Omega-3-Fettsäuren aus dem Meer können vor Herzrhythmusstörungen schützen, und es gibt immer mehr Hinweise auf eine Wirkung von Omega-3-Fettsäuren aus dem Meer bei der Vorbeugung und Behandlung von Vorhofflimmern.¹
Oh! Damals klang das also noch ganz anders.
Viele Erkenntnisse hatte man zu dem Zeitpunkt aus Tierstudien gewonnen, die zeigten, dass Omega-3-Fettsäuren einen ausgeprägten schützenden Einfluss auf Herzrhythmusstörungen, vor allem im Kontext von Herzkreislauferkrankungen hatten.²
Diese Daten schienen sich mit den Daten der Framingham Heart Study und der Physicians' Health Study zu decken, die beide zum Schluss kamen, dass Omega-3-Fettsäuren erheblich vor (Tod durch) Herzkreislauferkrankungen schützen.³,⁴
Auch die vielzitierte REDUCE-IT Study bestätigte die schützenden Effekte. Hier wurden über 8'000 Hochrisiko-Patienten 4 g EPA-Ethylester verabreicht (dazu gleich mehr).
Prompt fanden die Forscher ein 25 % verringertes Risiko für Tod durch Herzkreislauferkrankungen, für nicht-fatale Herzinfarkte und Schlaganfälle und andere Störungen.⁵
Leider, leider fanden die Forscher auch ein 35 % häufigeres Aufkommen von Vorhofflimmern. In einer Meta-Analyse, die mehrere solcher Human-Studien analysierte, kamen Wissenschaftler zum Schluss, dass Omega-3-Fettsäuren (über 1 g täglich) mit einem leicht erhöhten Risiko für Vorhofflimmern assoziiert seien.⁶
Doch dazu muss man wissen:
In den Studien wurden oft hohe Omega-3-Dosen verabreicht. Denn in Dosen von 3–4 g senken Omega-3-Fettsäuren die Blut-Triglyceride deutlich. Davon verspricht man sich eigentlich förderliche Effekte auf Erkrankungsrisiken.
Doch ohne die Omega-3-Blutwerte (Omega-3-Index) vorher zu messen, ergänzt man ins Blaue. Ausserdem werden häufig Ethylester verabreicht (siehe oben). Ihnen fehlt ihr natürliches Omega-3-Spektrum. Darüber hinaus liegen sie in einer chemisch modifizierten Form vor, die man so übers Essen oder herkömmliches Fischöl gar nicht zuführt.
Erst vergangenes Jahr wurden zwei weitere, gut gemachte Studien publiziert. Der wichtige Unterschied: Hier wurde gemessen.
Die wichtige Swiss Atrial Fibrillation cohort fand keinen Zusammenhang zwischen der Höhe der gemessenen Omega-3-Fettsäuren und dem Aufkommen von Vorhofflimmern. Tatsächlich wurde gezeigt, dass mehr Omega 3 das Herz «beruhigt» und etwas langsamer schlagen lässt.⁷
Eine weitere, riesige internationale Studie (55'000 Teilnehmer) unter Federführung von einem der renommiertesten Omega-3-Forscher weltweit – William S. Harris – (Fatty Acids and Outcomes Research Consortium), zeigte nicht nur, dass Omega-3-Fettsäuren nicht mit Vorhofflimmern assoziiert sind, sondern auch, dass sie vor Vorhofflimmern schützen.⁸
Davon wird dann in der Regel aber nicht mehr berichtet. Stattdessen geistern Studienergebnisse von einigen wenigen Publikationen in der Presse umher und verselbstständigen so die Meinungsbildung.
Wir sind weiter. Wir wissen seit Jahren, dass es einen globalen Omega-3-Mangel gibt. Das lässt sich mit Hilfe des Omega-3-Index einwandfrei nachweisen. [Quelle nicht mehr verfügbar]
In Omega-3-armen Ländern finden sich O3I-Werte um 4–5 %. Besonders Omega-3-reiche Länder, wie Japan, weisen Werte >8 auf. Dafür braucht es aber vielleicht 1–2 g Omega 3 täglich, nicht 3–4 g.
Was viele Menschen nicht wissen: Seit der Physicians' Health Study, in der gezeigt wurde, dass Omega-3-Fettsäuren der wichtigste modifizierbare Risikofaktor für den plötzlichen Herztod sind, gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Omega-3-Index und einem der häufigsten Todesursachen von Herzkreislauferkrankungen.
Daher ist es vielleicht auch nicht verwunderlich, dass der plötzliche Herztod – nochmal: die häufigste Todesursache durch Herzkreislauferkrankungen – in Japan nach neueren Zahlen um den Faktor 5,5 seltener vorkommt als in der Schweiz.⁹
Wer aus Angst vor minimaler Risikoerhöhung für Vorhofflimmern auf Omega 3 verzichtet, spart dann vielleicht am falschen Ende. Sollte man wissen.