2005 veröffentlichte der Forscher Louis Ignarro das populärwissenschaftliche Buch: «NO More Heart Disease: Wie Stickstoffmonoxid Herzkrankheiten und Schlaganfall vorbeugen und sogar rückgängig machen kann».
Ein Wortspiel, bei dem die beiden Buchstaben von NO gross geschrieben sind. NO bedeutet hier also nicht nur «keine (Herzkreislauferkrankungen mehr)» – es steht auch für die chemische Kurzform von Stickstoffmonoxid: NO.
Vollmundig behaupten kann man viel, nicht wahr? Nur: Louis Ignarro war nicht irgendwer, sondern der Entdecker und Beschreiber der Bedeutung von NO, speziell in unserem Gefässsystem. Dafür gab's 1998 auch den Medizin-Nobelpreis. Ergo: Der muss was wissen.
NO reguliert unsere Gesundheit
Seitdem ist die Forschung um NO förmlich explodiert. Heute weiss man, dass NO nicht nur das Gefässgas ist, das unsere Gefässe gesund hält und vor Erkrankungen schützt. Es reguliert auch unsere Immunfunktion, unseren Energiestoffwechsel (metabolisches Syndrom!!) und die Regeneration von Geweben.
Für diejenigen, die die Zusammenhänge erkennen, wird klar, dass Herzkreislauferkrankungen, Entgleisungen des Energiestoffwechsels (z. B. Diabetes), Immunfehlfunktionen und schnellere Alterung (= Mangel an Regeneration von Geweben) im engen Zusammenhang stehen.
Wer sich also wirklich um seine Gesundheit bemüht, sollte sich (auch) um gesunde NO-Werte bemühen. Zu diesem wichtigen Thema haben wir bereits vor einigen Jahren ein Buch veröffentlicht. Immer noch aktuell. Und genau das war auch die Intention von Louis Ignarro in 2005.
Wenn sich Nobelpreisträger, hoch dekorierte Forscher, zu uns Normalmenschen herunterbeugen, uns in einfachster Sprache etwas zurufen wollen, dann, weil sie zutiefst überzeugt sind, dass ihre Forschungen Millionen von Menschenleben besser machen oder sogar retten könnten.
So gibt's mehr NO
Es gibt verschiedene Wege, wie man seine NO-Werte auf einem gesunden Mass hält. Wir zitieren mal aus unserem Buch (Gesundheit optimieren, Leistungsfähigkeit steigern):
- Mehr Antioxidanzien, z. B. über Obst, Gemüse bzw. Pflanzenstoffe, aber auch über die endogene Bildung, z. B. via Glutathion (Cystein!!)
- Bessere Schilddrüsenwerte
- Durch gezielte Aminosäurengabe (z. B. Glycin)
- Ausmerzen von Risikofaktoren, etwa erhöhtes Körperfett, hohe Zuckerwerte, Homocystein (mehr B-Vitamine)
- Mehr Zink, Magnesium, Vitamin D (alle essenziell für die NO-Produktion)
- Durch eine niedrig dosierte Ergänzung von Arginin/Citrullin (Vorstufe von NO)
- Über Nitrate aus Gemüse (denn: Nitrate werden über Nitrit zu NO umgesetzt)
Und natürlich: Bewegung. Kurzum: Alles, was gesund macht, erhöht auch NO.
Seit Jahrzehnten weiss man, dass Bewegung die NO-Spiegel, vor allem in den Gefässen und im Muskel, erhöht. Der Muskel braucht NO, um überhaupt förderliche Adaptationen nach dem Sport zu zeigen. Die erhöhten NO im Muskel sind auch verantwortlich dafür, dass Sport unseren Energiestoffwechsel verbessert.
Mehr NO in den Gefässen stellt diese weit und erhöht so die Durchblutung. Ausserdem fördert es die Gefässneubildung und den Blutfluss. Alles förderliche Effekte bei Bewegung bzw. Sport.
10'000 Schritte retten Leben
Bewegung ist also eine Art eingebaute «NO-Pumpe», die stets NO freisetzt ... wenn wir uns bewegen. Das jedenfalls lässt eine aktuelle, riesige Meta-Analyse (17 Kohortenstudien, über 220'000 Teilnehmer), veröffentlicht von der europäischen Gesellschaft für Kardiologie erahnen.
In der Arbeit zeigten die Forscher: Je mehr Schritte wir am Tag gehen, umso niedriger ist unser Risiko, überhaupt zu sterben und an Herzkreislauferkrankungen zu sterben. Schon ca. 5'000 Schritte am Tag senken das Risiko jeweils um knapp 50 %.
Bei 10'000 Schritten sind es sogar zwischen 70 und 80 %. Die Forscher fanden eine noch stärkere (nicht-lineare) Risikoreduktion bis weit über 10'000 Schritte.
Um es klar zu sagen: Wer bis zu oder über 10'000 Schritte am Tag geht(!), bringt sein Risiko auf unfassbar niedrige Werte.
Das sind Bereiche, die bisher für keine andere Intervention in dem Aussmass beschrieben wurden. Die Rede ist hier nicht von Sport, sondern schlicht von Schritten, z. B. durch den Spaziergang gesammelt.
Die Forscher betonen, dass dieses banale Alltagsverhalten vielleicht besser wirkt als die modernsten Medikamente. Sie stellen zwar keine Verbindung zu NO her. Warum NO hier aber ziemlich sicher involviert ist, ist Thema unseres aktuellen Blogartikels.
Möglicherweise lebensrettend.